Wirtschaftspolitischer Beitrag

Vollgeld und Vollreserve: Was bringt eine neue Geldordnung?

Kieler Beiträge zur Wirtschaftspolitik, 15

In einem Vollreservesystem verlieren Geschäftsbanken die Möglichkeit, Geld aus dem Nichts zu schöpfen und sich mit Sichteinlagen ihrer Kunden zu refinanzieren. Ein Systemwechsel hätte Vor- und Nachteile. Die hervorstechenden Vorteile liegen bei einer höheren Finanzstabilität und höheren Geldschöpfungsgewinnen für den Staat. Außerdem könnte die Geldmengenentwicklung genauer kontrolliert werden, allerdings würden die Zinsen im Gegenzug als geldpolitisches Instrument verloren gehen und stärker schwanken. Nachteilig wären benötigte zusätzliche Regulierungen, die eine Umgehung des Vollreservesystems verhindern. Zudem sind steigende Kosten für Finanzdienstleistungen und eine wahrscheinliche Anpassungskrise des Bankensektors zu erwarten, was zunächst die Realwirtschaft belasten dürfte. Das Vollgeldkonzept nach Huber, das im Juni 2018 Gegenstand einer Schweizer Volksabstimmung ist, kombiniert ein Vollreservesystem mit Nettogeld. Unter dem Strich ist die Vollreserve eine spannende Alternative zum gegenwärtigen Geldsystem, das aber, wenn überhaupt, nur schrittweise eingeführt werden sollte.