Wirtschaftspolitischer Beitrag

Erholung durch Reisefreiheit: Warum Südeuropa in der Corona-Krise den Tourismus braucht

Kiel Policy Briefs, 144 Download

Die Beschränkung der Reisefreiheit und weitreichende Infektionsschutzmaßnahmen im Zuge der Covid-19-Pandemie stellt besonders in den Urlaubsländern Südeuropas die Existenz vieler Tourismusbetriebe in Frage, was die wirtschaftliche Krise in den tourismusintensiven EU-Staaten verschärft. Die Autoren zeigen, dass vor allem kleinere Urlaubsländer wie Malta, Zypern und Kroatien fast vollständig vom Auslandstourismus abhängen. In absoluten Übernachtungszahlen haben die großen Urlaubsländer im „Süden“ der EU, Spanien und Italien, die größten Einbrüche zu befürchten. In vielen südeuropäischen Urlaubsländern ist die Saison stark auf das Sommerhalbjahr konzentriert, wodurch in einigen Urlaubsdestinationen ohne eine schnelle Wiederbelebung des Auslandstourismus Totalausfälle drohen. Verluste im Tourismus wären für die Urlaubsländer Südeuropas überaus schmerzlich, da das wirtschaftliche Gewicht der touristischen Dienstleistungen dort teilweise sehr deutlich über dem EU-Durchschnitt liegt. Somit sind die vergleichsweise armen Urlaubsländer Südeuropas auf eine zeitnahe Belebung ihres Tourismusgeschäfts angewiesen, um Einnahmen aus dem Dienstleistungsexport erzielen zu können. Die Autoren weisen darauf hin, dass die Urlaubsländer genauso einen funktionierenden Europäischen Binnenmarkt benötigen wie der Warenexporteur Deutschland. Sie warnen davor, dass die Alternative zur Wiederbelebung des Auslandstourismus ein teurer Wiederaufbau der touristischen Infrastruktur im Süden der EU wäre, der vor allem zu Lasten der Nettozahler ginge.