Wirtschaftspolitischer Beitrag

Palmöl und Klimaschutz: Eine breitere Zertifizierung würde helfen

Kiel Focus

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Pünktlich zu den Klimaverhandlungen in Paris haben große Brände in Indonesien die Bedeutung der Regenwälder für den Klimaschutz wieder in den Fokus gerückt.

Bereits 1997/1998 hatte es bei einem ähnlich starken „El Niño“-Wetterphänomen verheerende Brände in den besonders kohlenstoffreichen Regenwäldern Indonesiens gegeben. Damals verbrannten mehr als 6 Millionen Hektar und setzten 1,45 Milliarden Tonnen Kohlenstoffdioxid frei (CIFOR 2015b). Damit war das relativ kleine Indonesien einer der größten Emittenten von Klimagasen weltweit.

Die Ursachen für die ausgedehnten Feuer liegen in der zunehmenden Degradierung des Regenwaldes und vor allem in der Brandrodung. Oft werden die Flächen zunächst nach dem Holzeinschlag von Kleinbauern abgebrannt und später von großen Konzernen für neue Palmölplantagen übernommen. Heute hat Indonesien circa 10 Millionen Hektar Palmölplantagen. Diese sollen bis 2020 um weitere 3 bis 4 Millionen Hektar ausgeweitet werden (CIFOR 2015a). Schon heute deckt Indonesien mehr als die Hälfte des globalen Palmöl-Konsums ab. Versuche, die Anreize für den Erhalt des Waldes durch Programme im Rahmen des bisherigen Klimaabkommens zu erhöhen, haben keine wesentliche Änderung der Abholzungsraten erzielt. Hauptursache ist die stetig steigende Nachfrage nach Palmöl. Allein in Europa hat sich der Import von Palmöl von 1990 bis 2012 fast verfünffacht (FAOSTAT). Palmöl findet sich heute in einer breiten Produktpalette von Kartoffelchips, Fertigpizza über Kosmetika bis hin zu Zahnpasta. In Europa hat der Lebensmittelsektor dabei einen Anteil von etwas über 50 Prozent (RSPO 2015).

Unser tägliches Konsumverhalten ist also unmittelbar mit dem Erhalt der Regenwälder in Indonesien verbunden. Neben dem wichtigen Abschluss eines globalen Klimaabkommens ist unser Konsum folglich eine Möglichkeit zum aktiven Klimaschutz im Alltag. Für viele Produkte ist Palmöl im Produktionsprozess allerdings derzeit alternativlos. Außerdem ist Palmöl ein wesentlicher Eckpfeiler der indonesischen Wirtschaft. Wie aber Produkte mit nachhaltig produziertem Palmöl identifizieren? Nachhaltig produziert heißt in diesem Zusammenhang die Nutzung von bestehenden Plantagen oder degradierten, brach liegenden Flächen und die Nutzung moderner Produktionsmethoden, um eine hohe Ölausbeute zu gewährleisten. Bisher ist der Verbraucher kaum in der Lage, derart produziertes Palmöl zu identifizieren.

Die Systeme, um eine solche Produktdifferenzierung zu ermöglichen, existieren aber bereits. Sie wurden im Rahmen der Nachhaltigkeitszertifizierung für den Biokraftstoffsektor entwickelt und etabliert. Es ist heute möglich, den gesamten Produktionsprozess des Palmöls von der Plantage bis zum Endprodukt nachzuverfolgen und anhand von Nachhaltigkeitskriterien zu überprüfen. Eine Erhöhung der Nachfrage nach nachweislich nachhaltig produziertem Palmöl würde in Indonesien den Anreiz erhöhen, bereits vorhandene Plantagen effektiv zu bewirtschaften und brach liegende Flächen zu reaktivieren. Palmöl, produziert auf neu gerodeten Regenwaldflächen, wäre auf dem Weltmarkt deutlich schwieriger absetzbar.

Erst langsam findet diese Art der Nachhaltigkeitszertifizierung auch Eingang in den Lebensmittel- und Konsumgütermarkt. Gesetzliche Vorgaben wie im Biokraftstoffsektor fehlen, und bisherige Aktivitäten beruhen auf freiwilliger Basis der verarbeitenden Unternehmen. Zudem besteht keine Kennzeichnungspflicht für die Herkunft des verwendeten Palmöls, so dass der Verbraucher nicht in der Lage ist zu differenzieren.
Die Nachhaltigkeitszertifizierung für Palmöl sollte daher verstärkt auf den Lebensmittel- und Konsumgütermarkt ausgeweitet werden. Denkbar wäre eine Kennzeichnungspflicht über die Herkunft des Palmöls, aber auch eine gesetzliche Pflicht zur Nachhaltigkeitszertifizierung wie im Biokraftstoffsektor. Sie ist ein wesentliches Instrument für einen aktiven Klimaschutz im täglichen Konsumverhalten.

CIFOR (Centre for International Forestry Research) (2015a). Governing Oil Palm Landscapes for Sustainability. Via Internet:http://www.cifor.org/publications/pdf_files/flyer/5883-flyer.pdf

CIFOR (Centre for International Forestry Research) (2015b). Fact File: Clearing the smoke: The causes and consequences of Indonesia’s fires. Via Internet:http://blog.cifor.org/37016/clearing-the-smoke-the-causes-and-consequences-of-indonesias-fires?fnen/

FAOSTAT (Food and Agriculture Organization of the United Nations Statistics Division) (2015). Database on Trade. Via Internet: http://faostat3.fao.org/download/T/TP/E

RSPO (Roundtable for Sustainable Palm Oil) (2015). Europe Report 2015. Via Internet: https://www.eurt.rspo.org/fe/GC1501/CMSFiles/RSPO%20Europe%20Report%202015.pdf