Worauf beruht der außenwirtschaftliche Erfolg Deutschlands?

Kiel Focus

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Federico Foders

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In den letzten Wochen des alten Jahres ist eine heftige Diskussion um den Leistungsbilanzüberschuss Deutschlands entbrannt. Die zentrale Frage, die hinter der außenwirtschaftlichen Entwicklung steht, wurde in dieser Debatte jedoch weder gestellt noch beantwortet: Warum ist Deutschland so wettbewerbsfähig?

In den letzten Wochen des alten Jahres ist eine heftige Diskussion um den Leistungsbilanzüberschuss Deutschlands entbrannt. Die zentrale Frage, die hinter der außenwirtschaftlichen Entwicklung steht, wurde in dieser Debatte jedoch weder gestellt noch beantwortet: Warum ist Deutschland so wettbewerbsfähig?

Legt man die Daten des internationalen Warenhandels zugrunde, so stellt sich heraus, dass die beachtlichen außenwirtschaftlichen Erfolge Deutschlands hauptsächlich mit einigen wenigen Produkten der Verarbeitenden Industrie erzielt werden, auf die das Land spezialisiert ist. Von besonderer Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Deutschland ist jedoch nicht so sehr die Auswahl der derzeit erfolgreichen Produkte, sondern die Übereinstimmung der Schwerpunkte im Außenhandel mit denen der Innovationsaktivitäten: Die Spezialisierung im Außenhandel und die Spezialisierung bei den Patentanmeldungen überlappen sich vollständig. Kaum ein anderes Land weist eine so eindeutige Spezialisierung auf (Ausnahmen: die Vereinigten Staaten und Japan). Mit anderen Worten, Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen tragen in erheblichem Maße zum beachtlichen außenwirtschaftlichen Erfolg Deutschlands bei. Doch auch bei nichtforschungsintensiven Produkten sind außenwirtschaftliche Erfolge zu verzeichnen, die mit den Merkmalen einzelner Produkte und der Struktur der Märkte in Zusammenhang stehen.

Die Wettbewerbsfähigkeit sowohl der forschungs- als auch der nichtforschungsintensiven Produkte der Verarbeitenden Industrie ist zwar in vielen Fällen der Existenz von Qualitätsvorteilen gegenüber der Konkurrenz geschuldet. Jedoch: Weniger als die Hälfte der Ausfuhren forschungsintensiver und gut die Hälfte der Ausfuhren nichtforschungsintensiver Produkte sind voll und ganz dem internationalen Preiswettbewerb ausgesetzt. Für Erzeugnisse, die im Preiswettbewerb bestehen müssen, ist die Entwicklung der (nominalen) Lohnstückkosten und des real effektiven Wechselkurses gegenüber den wichtigsten Mitbewerbern entscheidend. Beide Indikatoren sind in der letzten Dekade überwiegend vorteilhaft für Deutschland verlaufen.

In einer globalisierten Weltwirtschaft spielen aber nicht nur die Qualität und die Kosten der gehandelten Güter eine Rolle. Zusätzlich muss berücksichtigt werden, ob sich ein Land als Teil internationaler Wertschöpfungsketten positioniert hat, die im Wettbewerb miteinander stehen. Deutschland ist im internationalen Vergleich verhältnismäßig stark in Wertschöpfungsketten eingebunden. Dies ist in den Vereinigten Staaten und in Japan ebenso wie in den Ländern des Euroraums (Ausnahme: Irland) nur in weit geringerem Maße der Fall. Dagegen zählt in Asien, vor allem in China und Südkorea, die Nutzung von internationalen Wertschöpfungsketten ebenfalls zu den regionalen Standortvorteilen.

Die außenwirtschaftlichen Erfolge des Wirtschaftsstandorts Deutschland stehen derzeit auf drei Säulen: Qualitätsvorteile, Preisvorteile und internationale Wertschöpfungsketten, die ihrerseits auf Investitionen in Forschung- und Entwicklung, die Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte und eine günstige Entwicklung der nominalen Lohnkosten und des real effektiven Wechselkurses basieren.

Wie sieht die Zukunft des Standorts aus? Gelingt es der Wirtschaftspolitik, die Rahmenbedingungen für die Verarbeitende Industrie zu verbessern, kann die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts erhalten bzw. weiter ausgebaut werden. Das heißt: Löhne und Energiepreise dürfen nicht aus dem Ruder laufen. Und: Die Anreize für Bildung und Forschung müssen so gesetzt werden, dass ein nachhaltiger Strom an neuen Ideen für Produkt- und Prozessinnovationen generiert wird. Entscheidend für die Zukunft wird es sein, dass die enge Verzahnung zwischen der Innovation einerseits und dem außenwirtschaftlichem Erfolg andererseits dem Wirtschaftsstandort Deutschland erhalten bleibt.

(Kurzfassung eines Vortrags auf der Konferenz der Asian Development Bank und des Korea Economic Research Institute zum Thema „The Future of Factory in Asia“, die im Oktober 2013 in Seoul stattgefunden hat.)