Die Mär von den bösen deutschen Exporten

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Deutschland hat einen Rekordüberschuss bei den Exporten. Dies wird von einigen europäischen Nachbarn und von den USA kritisiert. Sie fordern, dass Deutschland vielmehr die Binnennachfrage stärken und so die eigenen Importe anregen sollte, um defizitäre Länder zu unterstützen. Während das Argument der geringen Binnennachfrage durchaus verständlich ist, ist die Kritik der Exporte nicht nachvollziehbar. Warum werden deutsche Güter im Ausland nachgefragt? Das lässt sich anhand der Top-2-Exporte Deutschlands, Kraftwagen und Maschinen, erklären.

Deutschland hat einen Rekordüberschuss bei den Exporten. Dies wird von einigen europäischen Nachbarn und von den USA kritisiert. Sie fordern, dass Deutschland vielmehr die Binnennachfrage stärken und so die eigenen Importe anregen sollte, um defizitäre Länder zu unterstützen. Letztlich solle Deutschland alles tun, um die Weltmärkte nicht weiterhin mit Exportgütern zu „überschütten“. Während das Argument der geringen Binnennachfrage durchaus verständlich ist, ist die Kritik der Exporte nicht nachvollziehbar. Denn sie impliziert ja eigentlich, dass ausländische Konsumenten dazu gezwungen werden, deutsche statt einheimische Produkte zu kaufen. Das ist natürlich Unsinn. Warum werden deutsche Güter im Ausland nachgefragt? Das lässt sich anhand der Top-2-Exporte Deutschlands, Kraftwagen und Maschinen, erklären.

Diese Güter sind international wettbewerbsfähig. Sie sind vor allem in der Qualität ähnlichen Produkten anderer Länder überlegen. Man denke an Autos „Made in Germany“ oder an deutsche Maschinen, die auf die speziellen Verwendungen in einzelnen Firmen zugeschnitten werden und deren Kauf eine Vor-Ort-Beratung bei der Inbetriebnahme einschließt. Insbesondere die schnell wachsenden Schwellenländer, wie z.B. China, Indien und Brasilien, fragen diese Kapitalgüter stark nach. Natürlich spielen hier auch preisliche Effekte eine Rolle, aber gerade bei Deutschlands Top-Exporten dominiert wahrscheinlich der Qualitätsaspekt.

Weiterhin wird gerne angeführt, dass der deutsche Exportüberschuss zur Krise in der Eurozone beisteuert, da ärmere Krisenländer deutsche Exporte bezahlen müssen. Da stellt sich zum einen wieder die Frage: Warum kaufen sie denn in Deutschland? Sie werden gewiss nicht gezwungen. Zum zweiten ist zu beachten, dass deutsche Exportgüter einen steigenden Anteil an importierten Vorleistungen enthalten. Der Anteil dieser im Ausland produzierten Güter liegt mittlerweile im Durchschnitt bei rund 25 Prozent. Rund ein Viertel der Wertschöpfung eines durchschnittlichen deutschen Exportgutes kommt also aus dem Ausland. Davon kommt etwa die Hälfte aus dem europäischen Ausland, wovon wiederum der Großteil (zwei Drittel) aus Eurozonenländern stammt. Also werden durch deutsche Exportgüter auch die Exporte von Vorleistungen aus den Eurozonenländern gestärkt, was sich positiv auf deren Handelsbilanz auswirkt.

Außerdem ist der deutsche Exportüberschuss im Handel mit anderen Eurozonenländern mittlerweile relativ gering. Vom deutschen Exportüberschuss 2012 in Höhe von 185 Milliarden Euro wurden gerade einmal 7 Milliarden Euro – also ca. 4 Prozent – im Handel mit anderen Eurozonenländern erwirtschaftet. Der Löwenanteil des deutschen Überschusses resultiert aus dem Handel mit nicht-europäischen Ländern und hier vor allem mit den USA.

Was uns wieder zu der Kritik aus den USA bringt. Die USA hatte im Jahre 2012 ein Handelsbilanzdefizit von umgerechnet ca. 600 Milliarden Euro. Wenn der deutsche Handelsbilanzüberschuss Deutschlands internationale Wettbewerbsfähigkeit widerspiegelt, dann deutet dieses Defizit auf starke Probleme in der Wettbewerbsfähigkeit der USA hin. Dafür aber die deutschen Exporte verantwortlich zu machen, erscheint wenig geistreich.

(Leicht überarbeitete Version eines Gastbeitrags auf Zeit-Online vom 21. November 2013 unter dem Titel „Niemand ist gezwungen, deutsche Produkte zu kaufen“.)