Journal Article

Steuerbefreiung für Biokraftstoffe: Ist Bio-Ethanol wirklich eine klimapolitische Option?

Zeitschrift für Angewandte Umweltforschung ZAU, 15/16 (2003/2004), Heft 3-5: 289-313

Biokraftstoffe sind eine Möglichkeit Treibhausgasemissionen zu reduzieren. 2002 wurden in Deutschland Biokraftstoffe bis 2008 von der Mineralölsteuer befreit. Jetzt wurden die möglichen Auswirkungen von der verstärkten Verwendung von Bioethanol untersucht. Die Ergebnisse werden in dem Beitrag vorgestellt. Zunächst werden die Ziele und Rahmenbedingungen der Steuerbefreiung für Biokraftstoffe erläutert, dazu gehören die Punkte Klimapolitik, Energiepolitik mit dem Ziel der Versorgungssicherheit, Eckpfeiler der Energiepolitik und Maßnahmen der Politik sowie Agrarpolitik mit den Zielen und das deutsche Branntweinmonopol. Anschließend wird der internationale Wettbewerb von Ethanolalkohol mit Blick auf die Importe aus Brasilien und den USA erläutert. Ethanol ist ohne wirtschafts- oder fiskalpolitische Maßnahmen gegenüber fossilen Kraftstoffen nicht wettbewerbsfähig. Daher muss Bioethanol als Benzinsubstitut bezüglich der Energieeinsparung und der Einsparung von Treibhausgasen einen signifikanten Beitrag liefern. Danach werden die Energiebilanzen für die Ethanolproduktion aus Weizen und aus Zuckerrüben vorgestellt und die Nettoenergiebilanz erläutert. Es folgt die gesamtwirtschaftliche Bewertung der Energiebilanzen. Insgesamt schneidet Weizen schlechter ab als Zuckerrüben. Die Energiebilanzen zeigen, dass bei der Bioethanolproduktion der überwiegende Teil des fossilen Energieeinsatzes in der Konversion eingesetzt wird. Die Nettoeinsparung an fossilen Energieträgern hängt davon ab, welche Leistung Ethanol im Vergleich zu Benzin bringt. Dies ist noch ungeklärt. Es wird analysiert, ob die Produktion von Bioethanol eine klimapolitische Alternative ist. Dazu wurden die Nettotreibhausgasbilanzen und CO2-Vermeidungskosten von Bioethanol berechnet. Es zeigten sich nur geringe Einsparungen an fossilen Brennstoffen. Bioethanol kann aber einen Beitrag zur Einsparung von Treibhausgasen leisten. Allerdings liegen die Kosten bei Bioethanol um den Faktor 10 bis 50 über den Kosten alternativer Vermeidungsstrategien. Die Förderung von Bioethanol ist deshalb keine gesamtwirtschaftlich effiziente Strategie.

Autoren

Jan M. Henke
Jens Netzel

Info

Erscheinungsdatum
JEL Classification
D61, H23, Q25, Q42