Wirtschaftspolitischer Beitrag

Raumstruktur und New Economy – zur Bedeutung von E-commerce für die Arbeitsteilung im Raum

Die Weltwirtschaft, 2001 (1): 173-189

Es gibt immer mehr Literatur über die Auswirkungen des Internets als innovative Transaktions- und Netzwerktechnik auf die Anforderungen des Organisationswandels in Unternehmen, auf sektorale Unterschiede in Bezug auf die Affinität und Durchdringung des elektronischen Geschäftsverkehrs sowie auf länderspezifische Entwicklungstrends in der New Economy. Die Erforschung der räumlichen Auswirkungen des elektronischen Handels konzentriert sich bisher auf die Standortmuster der eigentlichen Unternehmen der New Economy. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass auch E-Commerce-Lösungen in Unternehmen der alten Wirtschaft die Wirtschaftsgeographie von Produktion und Kooperation erheblich verändern werden, da der E-Commerce die Kosten für räumliche Transaktionen senkt und das Potenzial hat, die Distanz für ein Unternehmen für eine Vielzahl wirtschaftlicher Transaktionen weniger relevant zu machen. Die räumlichen Auswirkungen können im Prinzip nach den von der bekannten Telematik-Debatte in den achtziger Jahren vorhergesagten Richtungen verlaufen, d.h. mit gleichzeitig auftretenden Konzentrations- und Dekonzentrationsprozessen in verschiedenen Schichten der Wertschöpfungskette. Ziel des Beitrags ist es, Elemente eines konzeptionellen Ansatzes zur Bewertung dieser räumlichen Auswirkungen von E-Commerce-Aktivitäten auf Standortmuster in der alten Wirtschaft zu erörtern, indem aus vorhandenen Nachweisen geeignete Indikatorindikatoren ermittelt werden, wie z. B. die Anbindung an IT-Infrastrukturen, sektorale Unterschiede bei B2B-Lösungen, (De-) Konzentrationsprozesse oder funktionale Veränderungen der Beschäftigungsstrukturen von Städten.

Autoren

Rüdiger Soltwedel