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Aufstrebende Standorte im Zentrum Europas: Die Rolle der Slowakei und der Tschechischen Republik auf dem europäischen Binnenmarkt

Die Weltwirtschaft, 2005 (4)

Der Beitrag behandelt die Veränderungen der Handelsmuster der Slowakei und Tschechiens im Zuge des Übergangs und der Integration der Länder in die Europäische Union seit den frühen neunziger Jahren bis zur Vollmitgliedschaft in der EU im Jahr 2004. Nach dem Jahrtausendwechsel hat der Aufholprozess zu den hochentwickelten EU-15-Ländern vor allem in der Slowakei wieder Fahrt aufgenommen. Die anhaltenden Zuflüsse ausländischen Kapitals in beide Länder steigerten sowohl die slowakische als auch die tschechische Exportleistung und damit das Wirtschaftswachstum. Die statistische Analyse und ein Gravitationsmodell der regionalen Handelsbeziehungen zwischen Tschechien und der Slowakei zeigen, dass beide Länder bereits in der Zeit vor dem Beitritt die Möglichkeiten des freien Zugangs zum EU-Binnenmarkt genutzt haben. Der tschechische und slowakische Handel, insbesondere der Export, konzentriert sich auf die EU-15-Länder, darunter insbesondere Deutschland. Die beiden tschechoslowakischen Nachfolgestaaten pflegen untereinander weiterhin besondere Handelsbeziehungen, wenn auch mit abnehmender Intensität. Darüber hinaus deutet der Handel mit den anderen Visegrad-Partnern auf engere wirtschaftliche Beziehungen zwischen den Reformpionieren in Mittel- und Osteuropa hin. Der Produktmix aus slowakischen und tschechischen Handelsströmen spiegelt die erfolgreiche Integration der Länder in internationale Wertschöpfungsketten wider. Nicht mehr arbeitsintensive Standardprodukte prägen slowakische und tschechische Exportstrukturen, sondern Güter mit vergleichsweise hohem Technologiegehalt. Die Analyse zeigt, dass die slowakischen und tschechischen Produktionsstätten offensichtlich in der Lage sind, in fortgeschrittenen europäischen Produktionsnetzwerken zu konkurrieren.