Kurzbericht

Zur Wirkung des Ölpreisrückgangs auf den deutschen Außenhandel

IfW Box, 2015.6

Die Auswirkungen von Ölpreisänderungen auf die Konjunktur sind in einer Vielzahl von wissenschaftlichen Studien untersucht worden. Es ist allgemein anerkannt, dass lediglich angebotsbedingte Rückgänge des Ölpreises die Konjunktur (in ölimportierenden Volkswirtschaften) anregen. Gehen die Ölpreise z.B. infolge einer allgemeinen konjunkturellen Abschwächung nachfragebedingt zurück, wirken sie dieser Abschwächung zwar entgegen, insgesamt bleibt es jedoch bei Produktionseinbußen. In diesem Fall reagieren die Ölpreise endogen auf die allgemeinen konjunkturellen Rahmenbedingungen, liefern aber keine konjunkturellen Impulse. Maßgeblich für die Auswirkungen von Ölpreisänderungen ist ferner, wieviel Öl in Relation zum Bruttoinlandsprodukt in einer Volkswirtschaft eingesetzt wird. So dürfte der Rückgang der Bedeutung von Rohöl im Produktionsprozess eine wesentliche Ursache dafür sein, dass sich die Wirkung von Ölpreisänderungen auf die Konjunktur in den vergangenen Jahrzehnten offenbar abgeschwächt hat. Die Wirkungen von Ölpreisänderungen auf den Außenhandel sind bisher jedoch kaum in der wissenschaftlichen Literatur untersucht worden. Grundsätzlich dürften sich die realen Importe aus theoretischer Sicht in Folge eines angebotsbedingten Ölpreisrückgangs erhöhen, da sich die Nachfrage nach ausländischen Gütern mit der Belebung der Konjunktur und aufgrund des Kaufkraftgewinns durch die Verbesserung der Terms of Trade erhöht. Bei nachfragebedingten Ölpreisrückgängen dürften die Importe eher zurückgehen, da die mit der allgemeinen konjunkturellen Abschwächung einhergehende geringere Nachfrage nach ausländischen Gütern kaum durch die Verbesserung der Terms of Trade kompensiert werden dürfte.

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