IfW Kiel in den Medien

Öl und Erdgas aus Russland: Holger Görg für Zölle statt Gas-Embargo

20.05.2022

Aus dem Interview

... Russland-Sanktionen: Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft setzt auf Preismechanismus

Jetzt bringt Professor Holger Görg, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, im Gespräch mit unserer Zeitung Zölle als Alternative ins Gespräch.

Herr Professor Görg, was ist an Zöllen besser als am Embargo?

Damit kann man Russland treffen, ohne die eigene Wirtschaft zu ruinieren. Mit einem Zoll auf russische Importe kann man die Nachfrage hierzulande drosseln - über den Preismechanismus. Der Zoll ist quasi eine Einfuhrsteuer, die auf den Energiepreis aufgeschlagen wird. Gas oder Öl werden
für den Verbraucher teurer, er verbraucht deshalb weniger. Das ist ja genau das, was wir möchten. Der Vorteil ist, dass die Zoll-Einnahmen an unseren Staat gehen und die Regierung damit Verbraucher je nach Bedürftigkeit entlasten kann.

Aber wenn die Energiepreise durch Zölle steigen, heizt das nicht die Inflation weiter an?

Es kommt darauf an, wie hoch der Zoll angesetzt wird. Wenn wir mit einem Embargo die Menge verknappen, würden die Preise ja auch in die Höhe gehen. Mit Zöllen bestimmen wir den Preisanstieg selbst. Zudem ist nicht ausgeschlossen, dass Russland als Energielieferant die Preise senkt, wenn es Schwierigkeiten hat, sein Gas oder sein Öl auf dem Weltmarkt anderweitig  loszuwerden. Deutschland und die EU werden künftig weniger abnehmen, weil sich die Regierungen um alternative Lieferquellen bemüht. Dann muss Russland seine Preise womöglich senken, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Zumindest vorübergehend, denn Pipelines - zum Beispiel nach China - kann man nicht über Nacht bauen. ...

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