IfW Kiel in den Medien

"Ein nationaler Subventionswettlauf ist der falsche Weg"

26.03.2022

Aus dem Interview

… Die Presse: Wladimir Putin fordert, dass der Westen Gaslieferungen künftig in Rubel zahlen soll. Sollen wir das machen?


Stefan Kooths: Diese Forderung bestätigt die These, dass wir mit dem Bezahlen der Gaslieferungen nicht direkt den Krieg finanzieren. Hintergrund ist, dass man mit Euro und Dollar allein keinen Krieg führen kann. Was der russischen Wirtschaft derzeit vor allem zusetzt, sind die ausbleibenden Güterlieferungen, etwa Ersatzteile. Diese Lieferstopps gehen ja weit über die gesetzlichen Sanktionen hinaus. Und sie können von anderen Lieferanten nicht so einfach ersetzt werden. Wenn die Forderung Moskaus nun nur dazu führen sollte, dass man sich bei der Zentralbank oder Geschäftsbanken Rubel besorgt, dann kann man sich darauf einlassen. Problematisch ist es, wenn die Zentralbank nicht bereitsteht, durch Euro-Ankäufe Rubel zur Verfügung zu stellen. Dann  müsste der Westen Russland etwas verkaufen, um Rubel zu erhalten. Und so könnten auch die Gütersanktionen ausgehebelt werden. Das würde die Kriegsführung erleichtern. Wenn man das nicht will, sollte man da hart bleiben.

Das würde einen Stopp der Gaslieferungen bedeuten, der von Österreich und Deutschland bisher abgelehnt wird. Welche Auswirkungen hätte dieser Schritt?

Diese Frage wird derzeit im Rahmen der deutschen Gemeinschaftsdiagno se behandelt, weshalb ich dazu noch nichts Genaues sagen kann. Realwirtschaftlich wäre es jedenfalls nicht einfach so wegzustecken. Wobei man für die länderweisen Effekte nicht einfach die jetzigen Importanteile aus Russland hochrechnen darf. Im Fall eines Lieferstopps würde der Gaspreis massiv steigen. Und das würde dazu führen, dass es für die Händler sehr attraktiv wird, das vorhandene Gas dorthin zu bringen, wo es unbedingt gebraucht wird, wobei es hier allerdings auch technische Grenzen gibt. In anderen Bereichen würde es hingegen zum Teil substituiert werden….

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