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Handelskonflikt – "Europa hat sehr viel bessere Karten als China"

27.03.2018

Gabriel Felbermayr betont, dass sich Europa ebenfalls auf einen Handelskonflikt mit den USA vorbereiten müsse, aber eine bessere Ausgangsposition habe als China.

Aus dem Interview

(...) Engels: Auch zwischen Europa und den USA drohen ja weiter Eskalationen der bestehenden Handelskonflikte dort. Können die Europäer etwas aus diesem Miteinander und Gegeneinander, was gerade zwischen den USA und China herrscht, lernen?

Felbermayr: Ja, ich denke schon. Wir sehen einfach jetzt wieder, in welcher Art und Weise Trump bereit ist zu eskalieren. Er pokert in der Tat. Er ist ein Spieler. Rational ist nicht alles, was er tut, und man kann ihn kaum vorberechnen. Diese fehlende Berechenbarkeit macht es schwierig, Strategien zu entwickeln, Trump wirklich zu entgegnen. Ich denke, wir müssen uns in Europa in der Tat bereit machen für einen handelspolitischen Konflikt mit Trump, der sehr, sehr schwer sein wird zu gestalten und wo wir immer damit rechnen müssen, dass Dinge, die man vielleicht schon ausverhandelt geglaubt hat, dass die wieder in Frage gestellt werden, Last Minute Änderungen der Taktik. All das macht es schwer und ich denke, was wir jetzt zwischen China und den USA sehen, sollte uns wirklich auch in Europa Sorgen machen.

Engels: Klingt aber auch ein bisschen danach, dass Ihre Empfehlung an die EU wäre, wenn jetzt dort die Konflikte eskalieren, auch gegenzuhalten und sich auch von Drohungen bis zum Schluss durch die USA nicht abschrecken zu lassen.

Felbermayr: Absolut! Wir haben in Europa auch sehr viel bessere Karten, als die Chinesen das haben. Wenn Sie sich die Zahlen anschauen: Die Amerikaner hatten ein Handelsdefizit mit China letztes Jahr von 419 Milliarden Dollar. Der Präsident spricht immer von 500, da übertreibt er ein bisschen. Aber 419 ist schon eine riesige Zahl. Mit Europa haben die Amerikaner einen eher ausgeglichenen Handel. Zwar gibt es im Güterbereich ein Defizit, aber die Amerikaner verdienen bei uns sehr viel Geld mit Dienstleistungen. Und das heißt, wir haben in Europa auch sehr viel mehr in der Hand, um einer weiteren handelspolitischen Aggression der Amerikaner etwas entgegenzusetzen – mehr als die Chinesen. Ich denke, dieser Stärke muss man sich in Europa auch bewusst sein.

Es ist wichtig gewesen letztes Jahr, dass wir auf die Stahl- und Aluminiumzölle des Herrn Trump mit Gegenmaßnahmen reagiert haben, auf die Erdnussbutter und die Jeans und die Harley-Davidsons. Und andere Produkte. Das war wichtig, hat Trump vielleicht auch überrascht, dass Europa da durchaus in der Lage ist gegenzuhalten, und wir müssen diese Glaubwürdigkeit weiter aufrechterhalten. Wenn Trump eskaliert, dann wird er eine Gegenreaktion aus Europa erwarten. Die paradoxe Situation ist ja ein bisschen, dass man auf Zölle, die die Amerikaner WTO-rechtswidrig setzen, mit Gegenzöllen reagiert, Feuer mit Feuer bekämpft, wenn man so will, aber das ist die Logik des Handelskonflikts und da muss Europa jetzt schauen, dass die innere Einigkeit weiter gewahrt bleibt, so dass man glaubwürdig agieren kann.

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  1. Prof. Gabriel Felbermayr. Ph.D.

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