IfW in den Medien

IfW-Präsident Felbermayr: „Der Machtkampf zwischen den USA und China dauert mindestens 20 Jahre“

27.03.2018

Wirtschaftswoche-Interview mit Gabriel Felbermayr über die unsichere Zukunft des Welthandels

Aus dem Interview

(...) WirtschaftsWoche: Professor Felbermayr, Donald Trump setzt seine Zoll-Attacken auf China fort, allerdings haben die USA und China jüngst auch wieder Verhandlungen aufgenommen. Wie geht es weiter im Handelskonflikt?
Was die Handelskonflikte angeht, bin ich absolut beunruhigt. Der Burgfrieden von EU und China mit den USA ist brüchig. Es liegt in der Handelspolitik noch jede Menge Munition herum, die jederzeit explodieren kann. Vor allem besteht die große Gefahr, dass bald auch Indien zum Schauplatz eines Handelskriegs wird. Da geht es weniger um physische Güter als um Software. Die USA sind der größte Nettoexporteur von digitalen Dienstleistungen, da haben sie einen gigantischen Überschuss. Die einzige aufstrebende Macht, die in diesem Bereich dagegenhalten kann – nicht heute, aber in ein paar Jahren – ist Indien. Donald Trump hat Indien daher auf dem Radarschirm. Das verheißt nichts Gutes für die Weltwirtschaft.

Aber vielleicht ist Donald Trump schon bald Geschichte. Nehmen wir an, er verliert 2020 die Präsidentschaftswahl: Wird die Architektur des Welthandels dann wieder so sein wie früher? 
Nein. Die zentralen Treiber des Handelsstreits sind geostrategischer Natur, sie verschwinden nicht von heute auf morgen. Ich bin sicher: Der Machtkampf zwischen den USA und China wird uns in den kommenden 20 Jahren begleiten. Auch die derzeitige Protektionismuswelle ist kein temporäres Phänomen. Sie markiert eine strukturelle Verschiebung im Welthandel, die über viele Jahre anhalten dürfte. Ökonomen-Kollegen wie Dani Rodrik führen das unter anderem auf die Hyper-Globalisierung zwischen 1990 bis 2008 zurück, in der sich die Welt rasend schnell vernetzt und dabei viele Verlierer produziert hat. Der Appetit auf weitere Liberalisierungen ist daher sehr gering. Der Welt steht eine längere Globalisierungspause bevor. In den kommenden Jahren wird der Globalisierungsprozess bestenfalls seitwärts verlaufen.

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