IfW in den Medien

Gabriel Felbermayr – IfW-Präsident betont: „Die deutsche Industrie ist nicht krank“

18.07.2019

Handelsblatt-Interview mit Gabriel Felbermayr zu den Konjunkturaussichten rund um den Globus

Aus dem Interview

(...) Wie stark trifft uns die Abschwächung der Konjunktur in China?
Wir müssen uns ganz grundsätzlich darauf einstellen, dass die dominante Rolle, die China in den letzten 15 Jahren als Treiber der Weltwirtschaft hatte, auslaufen wird. Auch dort altert die Bevölkerung. Und viele große Infrastruktur-Investitionen – in Flughäfen, in die Bahn, in Straßen – laufen aus. Gelichzeitig ist die Verschuldung in China immens, und die Regierung will sich auf den Binnenmarkt fokussieren und Hightech selbst entwickeln. Die Wachstumsraten werden also von 6,5 Prozent im letzten Jahr über 6,2 Prozent auf unter sechs Prozent zurückgehen.

Wird das unsere Wirtschaft nachhaltig schwächen?
Die größten Leidtragenden ins die Nachbarn in Asien, deren Wirtschaft viel stärker mit der Chinas verflochten ist als unsere. Südkorea und Japan können weniger nach China liefern. Und vor allem Rohstofflieferländer werden die Abkühlung in China zu spüren bekommen. Gleichzeitig sind Schwellenländer wie Indonesien stärker aufgestellt als früher. Mit einer Zahlungsbilanzkrise in Asien müssen wir daher nicht rechnen.

(…)

Bleiben die USA denn eine Konjunkturlokomotive?
Die USA sind für Deutschland immer noch der wichtigste Exportmarkt. Allerdings tut Trump viel, dass seine Ankurbelungseffekte möglichst wenig anderen Staaten nutzen. Der Nachfrageeffekt der finanziellen Stimuli auf China und Deutschland ist daher kleiner als früher. Allerdings: Solange es gegenüber Europa bei Zöllen auf wenige Produkte bleibt, kann die deutsche Wirtschaft das verkraften.

Sogar Autozölle?
Es wäre natürlich besser, wenn es keine Autozölle gäbe. Aber auch, wenn es sie gäbe, dann würden BMW und VW mehr in den USA produzieren. Für die Erweiterungen der Fabriken würden sie aber wiederum Maschinen in Deutschland kaufen. Deutsche Firmen sind also immer beteiligt.

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