IfW in den Medien

Elektroautos: "Der Verkehr sollte Teil des Emissionshandels werden"

03.05.2019

Zeit.online-Interview mit Wilfried Rickels der sagt, zur Beurteilung der Klimafreundlichkeit von E-Fahrzeugen ist es ist egal, woher diese Energie beziehen – dank des Europäischen Emissionshandels.

Aus dem Artikel

(...) In Europa sind die Emissionen aus der Stromproduktion durch den europäischen Emissionshandel aber gedeckelt, sagt Wilfried Rickels, Leiter der Abteilung Umwelt und natürliche Ressourcen am Institut für Weltwirtschaft in Kiel. Deshalb spare ein Elektroauto im Betrieb ab dem ersten Kilometer gegenüber dem Verbrenner.

ZEIT ONLINE: Herr Rickels, was halten Sie von der Ifo-Studie?

Wilfried Rickels: Handwerklich finde ich die Studie gut gemacht. Ihre Annahmen sind transparent. Je nachdem, welche Annahmen man trifft, kann man den Punkt, an dem ein E-Auto sauberer als ein Verbrenner ist, hin- und herschieben. Aber darum sollte es in der Diskussion gar nicht gehen, denn das Entscheidende ist: Durch den Emissionshandel hat ein Elektroauto in Europa einen Vorteil in der CO2-Bilanz gegenüber einem Diesel oder Benziner.

ZEIT ONLINE: Warum?

Rickels: Der Strommix ist unerheblich, weil der Ausstoß an Klimagasen, der bei der Stromproduktion entsteht, durch den europäischen Emissionshandel gedeckelt ist. Wer CO2 oder andere Klimagase ausstößt, muss dafür Zertifikate kaufen. Dadurch haben Unternehmen den Anreiz, CO2 zu sparen. Dann müssen sie weniger Zertifikate kaufen oder können sogar welche verkaufen. Die EU legt eine maximale CO2-Menge fest und beeinflusst so den Preis.

ZEIT ONLINE: Aber dadurch wird der Strom doch nicht automatisch grün.

Rickels: Das muss er auch nicht, denn durch die Deckelung sinkt die Gesamtmenge an CO2-Ausstoß nach dem Plan der EU. Die Emissionen werden an der Stelle eingespart, wo sie am wirtschaftlichsten sind. Durch Elektroautos würde der CO2-Ausstoß innerhalb der EU also unabhängig vom Strommix weder steigen noch sinken. Würden auch Fahrzeug- und Batterieproduktion in der EU stattfinden – oder außerhalb der EU mit ausschließlich erneuerbaren Energien –, wäre das E-Auto in der Gesamtbetrachtung ein Nullemissionsauto. Verkehr, der nicht mit Strom betrieben wird, ist dagegen nicht Teil des Emissionshandels und hat deshalb im Betrieb die schlechtere CO2-Bilanz, weil hier die CO2-Emissionen nicht gedeckelt sind.

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