IfW in den Medien

„Chinas Ziel ist es nicht, gegen Trump zu gewinnen“

28.05.2019

Capital-Interview mit Wan-Hsin Liu zu den Aussichten und Auswirkungen im Handelsstreit USA-China

Aus dem Interview

(...) Und wie lange kann sich China diesen schwelenden Streit noch erlauben?

China ist definitiv in der Lage die Verhandlungen in die Länge zu ziehen, auch wenn das nicht das Ziel ist. Oberste Priorität ist es, einen Kompromiss zu finden, ohne eigene Interessen und Grundprinzipien zu verletzen. Und solange keine Einigung in Sicht ist, werden beide Seiten weitere Maßnahmen in Anspruch nehmen. Deshalb reagiert auch die chinesische Regierung mit Gegenzöllen. Sie versuchen mögliche negative Konsequenzen für das Land zu kompensieren. China hofft auf ein zufriedenstellendes Resultat beim G20-Gipfel im Juni, damit die unnötigen Spannungen endlich abflauen.

Trump fordert letztlich nicht weniger als einen Umbau der chinesischen Wirtschaft – wie weit kann Chinas Regierung hier Zugeständnisse machen?

Trump verlangt eine Marktöffnung – das ist aber keine neue Forderung für China. Die Regierung arbeitet schon seit ein paar Jahren daran, den Markt weiter zu öffnen und erzielt dabei Fortschritte. Nur sind die nicht so radikal, wie Trump das gerne hätte. Die Forderung, sich von der Staatswirtschaft zu distanzieren, wird Trump auch noch einiges an Geduld kosten. Denn China regiert mit nur einer Partei – der kommunistischen Partei. Zentrale wirtschaftliche Entscheidungen werden von der Leitung dieser Partei beschlossen. Marktwirtschaftliche Aspekte werden zwar immer mehr zugelassen, aber eine radikale Änderung der Staatsregierung kann nicht zu erwarten sein. China lässt sich nicht vorschreiben, welche Reformziele wie schnell umgesetzt werden sollen.

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