IfW in den Medien

Rechtspopulisten sind Nutznießer von Crashes

15.09.2018

Interview mit Christoph Trebesch über seine empirische Studie, wonach Finanzkrisen rechte Parteien stärken.

Aus dem Interview

(...) Ist dafür das Beispiel der „Alternative für Deutschland“ (AFD)  sinnbildlich? Die hat schließlich als Euro-kritische Partei begonnen und sich dann zur rechtsextremen Anti-Migrationspartei entwickelt. Wurde da von einer Welle auf die nächste weiter gesurft?

Es ist ganz typisch, dass populistische Parteien das Misstrauen gegenüber den Eliten nutzen und umkanalisieren - in ein grundsätzliches Misstrauen gegenüber dem politischen System, gegenüber offenen Grenzen und einer offenen Gesellschaft. Aus der Wut auf Eliten wird also eine Wut auf Minderheiten und Ausländer gemacht. Deutschland ist wegen der schwerwiegenden historischen Dimension jedoch eine Ausnahme. Es galt bis dato als fast unmöglich, dass eine rechte Kraft mit solch aggressiver Rhetorik so große Prominenz gewinnt. Dieser Aufstieg war möglich, weil die AFD als „Professorenpartei“ unter einem bürgerlichen Deckmantel und mit der Euro-Kritik begonnen hat. Dies hat die Tür geöffnet für eine Bewegung, die heute offen ausländerfeindlich ist, sich von der extrem Rechten kaum noch abgrenzt, und in der das NS-Regime verharmlost wird. Die AFD hat viele andere populistische Parteien in Europa mittlerweile rechts überholt. Das ist sehr beunruhigend.

Warum gewinnen nach Finanzkrisen nicht Linkspopulisten? Das sollte doch eine gute Zeit für Kapitalismuskritik sein.

Das hat uns auch überrascht. Seit 2008 gab es das zwar vereinzelt wie in Spanien und Griechenland, aber über die lange historische Sicht scheinen linke Politiken nach Finanz-Crashes unbeliebt zu sein. Rechte Parteien sind tendenziell Gewinner von Wirtschaftsschwächen. Es scheint, als fiele die Polarisierung über die kulturelle Dimension und die Anti-Ausländer-Rhetorik nach Finanzkrisen auf fruchtbaren Boden. Man sucht Sündenböcke für Verfehlungen, sei es im Aufkommen der Krise oder in der Nachkrisenphase – und diese Wut kanalisiert sich auf Dritte. Dieses Muster scheint immer wieder zu funktionieren.

Zum vollständigen Interview

Fachlicher Kontakt