IfW in den Medien

Dämpfer für Aussichten der Türkei - die Einbindung in den EU-Wirtschaftsraum darf jetzt nicht verspielt werden

14.11.2018

Gastkommentar von Klaus-Jürgen Gern, in dem er die schwierige wirtschaftliche Lage der Türkei analysiert.

Aus dem Artikel

(...) Die Krise in der Türkei ist maßgeblich landesspezifischen Faktoren zuzuschreiben. Ausschlaggebend ist hier, dass das Land in den vergangenen Jahren über seine Verhältnisse gelebt hat. Hinzu kommt seit einigen Jahren ein zunehmender Verlust an Vertrauen ausländischer Investoren in die Stabilität der wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen in der Türkei.

Das kräftige Wachstum der Wirtschaft seit der letzten großen Krise im Jahr 2001 – das Bruttoinlandsprodukt stieg bis 2017 mit jahresdurchschnittlich 5,8 Prozent so rasch wie sonst nur in einigen asiatischen Ländern – wurde in erheblichen Teilen auf Pump finanziert. Insbesondere die Verschuldung der Unternehmen stieg auf ein im Vergleich mit anderen Schwellenländern sehr hohes Niveau. Problematisch ist insbesondere, dass die türkische Wirtschaft im internationalen Vergleich in einem hohen Maß in Fremdwährungen verschuldet ist, vor allem US-Dollar, aber auch Euro. Dies bedeutet, dass die Bedienung der Schulden durch die abgewertete heimische Währung teurer wird: Es sind mehr Einnahmen in Türkischer Lira nötig, um die erforderlichen Devisen zu erwirtschaften.

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