IfW in den Medien

Uwe Tellkamp und die Migranten. Ein Faktencheck

18.03.2018

Aus dem Artikel

(...) Soweit die Zahlen. Alles hängt jetzt davon ab, was mit „Einwanderung in die Sozialsysteme“ gemeint ist. Legt man dies – wie Migrationsforscher Schneiderheinze – eng aus, dann ist damit die „soziale Hängematte“ gemeint, der Zugriff auf Sozialhilfe oder Hartz IV ohne Gegenleistung (Sozialabgaben, Steuern). Die Übersetzung von T.s Satz hieße dann: 95 Prozent aller Fremden, die zu uns kommen, kommen weder, weil sie verfolgt werden, noch weil sie arbeiten wollen, sondern um sich in die soziale Hängematte zu legen, finanziert vom Sozialsystem der Deutschen. Dies zu sagen sei „verleumderisch“, „falsch“ und „dämlich“, sagt Migrationsexperte Schneiderheinze.

Denn nach einer von der letzten Regierung vorgenommenen Verschärfung des Sozialrechts haben EU-Ausländer keinen Anspruch auf Sozialleistungen, wenn sie zu uns einreisen und dann vergeblich nach Arbeit suchen. Für Nicht-EU-Bürger wird es sogar noch schwieriger. Recht hat T. nur für die Asylanten (also zehn Prozent aller Migranten). Asylbewerber erhalten eine Geldleistung, die knapp unterhalb des Hartz-IV-Satzes liegt. Wird ihr Antrag anerkannt, haben sie sofort Anspruch auf Sozialleistungen. Kein Wunder, dass der Anteil der Asylanten unter den Hartz-IV-Beziehern in den vergangenen Jahren stark gestiegen ist. Per definitionem sind sie aber nicht hier, „um“ in das Sozialsystem einzuwandern, sondern weil sie vor Krieg und Verfolgung geflohen sind und (vorerst) nicht zurückkönnen. Zwischenfazit: T. liegt voll daneben.

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