IfW in den Medien

Krieg der Zölle

09.03.2018

Holger Görg zu möglichen Konsequenzen von Strafzöllen

Aus dem Artikel

(...) Noch gravierender wären die Folgen, wenn der angekündigte Konflikt weitere Zölle mit sich brächte – etwa auf Automobile. Allein Deutschland exportierte im vergangenen Jahr Fahrzeuge und Fahrzeugteile im Wert von 28,6 Milliarden Euro in die Vereinigten Staaten. Die möglichen Verluste lassen sich nicht genau beziffern. Deutsche Importautos würden im Vergleich zu den in Amerika gefertigten Fahrzeugen jedenfalls teurer. Um das zu verhindern, müssten Hersteller auf Gewinne verzichten. Beides würde Arbeitsplätze in der deutschen Schlüsselindustrie bedrohen. Nicht auszumalen seien daher die Konsequenzen, die ein Zollwettlauf für Deutschland und die gesamte Weltwirtschaft hätte, mahnt Holger Görg vom Institut für Weltwirtschaft ( IfW ) in Kiel. Der Handelsökonom spricht von einer „Negativspirale“, die ein solcher Konflikt in Gang setzen könnte. „Wir müssen uns auf alles gefasst machen.“

Doch selbst wenn die anderen Staaten einfach tatenlos zusehen müssten, wie Trump einen Zoll nach dem anderen erhebt, wäre nicht ausgemacht, dass die Amerikaner ihren Anteil am Weltmarkt vergrößern würden und das Handelsdefizit mit der EU oder China in der Folge schrumpfen würde. Die Handelsbilanz der Amerikaner sei ohnehin kein Zeichen von Schwäche, sagt IfW-Ökonom Görg. Im Gegenteil: Sie hätten ein Defizit, weil sie viel konsumierten und viele ihrer Konsumgüter aus dem Ausland importierten – und weil die ganze Welt ihr Geld bei ihnen anlegen wolle. Das heißt: Deutsche, Chinesen und Japaner finanzieren mit ihren Überschüssen unter anderem das Leben der Amerikaner auf Pump. Die Fachleute sind sich mehr oder weniger einig: Eine Abschottung der amerikanischen Wirtschaft dürfte daran wenig ändern.

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