IfW in den Medien

Die Luft wird dünner

05.03.2018

Stefan Kooths zur aktuellen Hochkonjunktur und deren Chancen und Risiken

Aus dem Artikel

(...) Die deutsche Wirtschaft erlebt ein außergewöhnlich starkes Winterhalbjahr. Sie ist ausweislich aller Indikatoren in einer Hochkonjunktur. Einige Ökonomen sagen sogar, dass sie – trotz derzeit frostiger Temperaturen - bald überhitzt. Nach 2 Prozent Wachstum des Bruttoinlandsprodukts im vergangenen Jahr (kalenderbereinigt) könnte die Wirtschaftsleistung 2018 nochmals mit gleicher Rate expandieren, schätzt die Bundesbank. „Die Wirtschaft läuft unter Volldampf“, sagt Stefan Kooths, Konjunkturchef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW).

Allerdings treten bei dem hohen Tempo auch Probleme auf. „Die Luft wird dünner“, meint Kooths, noch mehr Tempo würde ungesund. Eine Hürde ist, dass die Kapazitäten schon weit überdurchschnittlich ausgelastet sind. „Die früheren Spitzenwerte der Industrie sind fast erreicht, die Bauwirtschaft arbeitet am Anschlag“, sagt IfW-Konjunkturforscher Kooths.

(…)

Dass die Konjunktur in diesem Jahr weiter kräftig bleibt, liegt auch an der Finanzpolitik. Die geplanten Mehrausgaben und Steuerentlastungen der großen Koalition beflügeln die Nachfrage. Dass das in einer Phase der Hochkonjunktur klug ist, bezweifelt IfW-Ökonom Kooths: „Die vollen Kassen verleiten dazu, viel Gegenwartskonsum zu finanzieren, statt vorzusorgen angesichts der absehbaren Wachstumsbremsen durch demographischen Wandel und Alterung der Gesellschaft.“ Er sieht die durch sehr niedrige Zinsen getriebene Hochkonjunktur aber auch deshalb kritisch, weil bei "Nullzinsen" auch Projekte und Investitionen gestartet werden, die sich später nicht als rentabel erweisen. Damit würden im Endeffekt Ressourcen verschwendet.

Fachlicher Kontakt