IfW in den Medien

Lernen von den Großbauern

09.02.2018

IfW-Studie zu Projekten von Großinvestoren im Agrarsektor Sambias

(...) Dieses Ansiedlungsmuster ist typisch für die Region: Die Investoren kaufen das Land für ihre großen Mais- oder Getreidefarmen in der Nähe wichtiger Verkehrsadern. Wie eine neue Studie des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) zeigt, verlaufen die meisten der Neuansiedlungen, die es in den vergangenen knapp zwei Jahrzehnten in Sambia gab, entlang der zwei großen Bahnlinien des Landes: Die eine führt von der Hauptstadt Lusaka aus gen Nordosten nach Tansania, die andere nach Livingstone im Südwesten, zu den Victoria Falls. Sie sind wichtig, um das Getreide zu den Seehäfen zu transportieren, etwa nach Daressalam in Tansania, aber auch, um Düngemittel und Chemikalien aus den Fabriken in Lusaka oder Erdgas aus den Pipelines an der Ostküste einzuführen.

Die neue Untersuchung des IfW wirft aber auch ein Licht auf einen noch weitgehend unklaren Zusammenhang - nämlich die Frage, inwieweit die Großinvestoren den traditionellen Kleinbauern schaden. Das Bild ist differenzierter, als die aufgeregten öffentlichen Debatten über das "Land Grabbing" vermuten lassen. Einerseits stimme es nicht, dass sich die Investoren vor allem auf bislang unbewirtschaftetem Land niederließen und dies fruchtbar machten, schreiben die Autoren. Gegen diese These spreche allein schon, dass sich die Großfarmen nur in bestimmten Regionen ansiedelten - und zwar eben dort, wo es die besten Böden gebe, entlang der Infrastruktur, und damit auch in den ohnehin schon dichtbesiedelten ländlichen Regionen.

Die Konkurrenz um das Land ist daher zweifelsohne groß - selbst in einem relativ dünnbesiedelten Land wie Sambia, das etwa doppelt so groß ist die Deutschland, jedoch weniger als ein Viertel von dessen Einwohnern zählt. Zu der ganzen Wahrheit gehört allerdings, auch das legt die Studie nahe, dass Bauern wie Felix Kangwa selten von Landverkäufen betroffen sind. Verkauft werde weitgehend Land, das in Privatbesitz sei oder vom Staat bewirtschaftet werde.

Fachlicher Kontakt

Kerstin Nolte