IfW in den Medien

Interview mit Dennis Snower: „Umverteilung bringt einfach zu wenig“

30.04.2018

Dennis Snower darüber, warum Ökonomie und Psychologie zusammengehören und warum der heutige Sozialstaat abgeschafft gehört

Aus dem Interview

(…) Was an der Psychologie ist von Interesse für die Ökonomie?

Zum Beispiel, dass wir Menschen von verschiedenen Motiven getrieben sind: Fürsorge, Wut, Furcht, Leistungsdrang. In der Wirtschaft wird der Statuskampf überbetont. Wer ist der berühmteste Wissenschaftler, wer der CEO mit dem höchsten Bonus? Ein internationaler Wettstreit, in dem Benachteiligten nur die Rolle des ewigen Verlierers bleibt. Populisten machen sich das zunutze. In diesen Bewegungen sind alle Mitglieder der Gruppe weitgehend gleich: „Everyone is an American.“ Wer einem Populisten folgt, kann sich wohlfühlen als Gleicher unter Gleichen und nimmt dabei sogar in Kauf, dass sein Wohlstand leidet.

(…)

Als Präsident der Initiative „Global Solutions“ planen Sie für Ende Mai in Berlin ein großes Symposium zu den Zukunftsfragen Klima, Digitalisierung, die multilaterale Weltordnung …

... unser Ziel ist es, in Berlin eine alljährliche Begleitkonferenz zum G20-Gipfel zu etablieren, ein bisschen wie die Münchner Sicherheitskonferenz, nur für wirtschaftspolitische Themen. Ein Treffpunkt, um kluge Ideen auszutauschen in einer Welt voller grenzübergreifender Probleme. Nobelpreisträger wie George Akerlof haben schon zugesagt, Bundeskanzlerin Merkel, Finanzminister Scholz und Arundhathi Bhattacharya, die eine der größten Banken Indiens leitete. Die G20 sind unser Adressat, weil sie sich um die Themen kümmern, die Kooperationen zwischen Ländern erfordern.

(…)

Im Hartz-IV-System, das zurzeit diskutiert wird, empfinden Betroffene insbesondere die Weiterbildungsmaßnahmen als entwürdigend. Beispielsweise Bewerbungstrainings mit Stilberatung. Wie schafft man es, dass die riesige Arbeitsmarktbürokratie weniger dieser Unsinnigkeiten erzeugt?

Ganz einfach: indem wir den Sozialstaat in heutiger Form längerfristig abschaffen. Mein Vorschlag: Führen wir stattdessen Sozialkonten ein. Jeder bekommt ein Beschäftigungskonto, ein Ausbildungskonto, ein Gesundheitskonto, ein Rentenkonto. Die Abgaben bleiben, wie sie sind. Doch jeder Euro, den ich für die Arbeitslosenversicherung zahle, geht künftig auf mein Beschäftigungskonto. Wenn ich Arbeitslosenhilfe beziehe, sind das in meinem System Auszahlungen von dem Konto.

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