IfW in den Medien

Die richtige Mischung

13.03.2017

Ulrich Schmidt erklärt, warum eine Frauenquote in Aufsichtsräten aus verhaltensökonomischer Sicht sinnvoll sein kann

Aus dem Artikel

(...) Reine Männerrunden neigten in den Versuchen nicht nur dazu, höhere Risiken einzugehen als Frauenrunden. Sie waren als Gesamtheit noch verwegener, als es jeder einzelne der Teilnehmer für sich gewesen wäre. Allerdings galt umgekehrt auch für rein weiblich besetzte Gremien: In der Gruppe waren Frauen bei ihren Entscheidungen noch risikoaverser als allein.

Aus Sicht der Forscher ist beides wirtschaftlich gesehen nicht optimal. „Männergruppen riskieren wider besseres Wissen zu viel, Frauengruppen lassen wider besseres Wissen Chancen ungenutzt“, erläutert Studienleiter Ulrich Schmidt. Der Finanzwissenschaftler, der den Forschungsbereich „Sozial- und verhaltensökonomische Ansätze zur Lösung globaler Probleme“ am Institut für Weltwirtschaft der Universität Kiel (IfW) führt, gewährte der „Welt“ vorab Einblick in die Studie.

Der Effekt lässt sich nicht nur an rein weiblich oder rein männlich besetzten Gremien nachweisen. Auch ein Männer- oder ein Frauenüberhang beeinflusst die Risikofreunde. „Je höher der Anteil männlicher Gruppenmitglieder, desto riskanter ist eine gemeinsame Entscheidung. Umgekehrt ist die Risikobereitschaft einer Gruppe umso geringer, je mehr weibliche Mitglieder sie hat“, sagt Schmidt. Offenbar werde Wagemut als eine Art kulturelle Norm angesehen, sodass Männer sich in der Gruppe zu höherer Risikoübernahme gedrängt fühlen, während für Frauen das Gegenteil gilt.

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