IfW in den Medien

China exportiert seine Probleme

14.08.2015

Gastkommentar von Rolf Langhammer

Aus dem Artikel

(...) Chinas Tage als kostengünstige Werkbank der Welt nähern sich dem Ende. Der immer teurer werdende Standort sieht sich ökologischen, finanziellen und institutionellen Engpässen ausgesetzt. Überkapazitäten im exportorientierten Industriegütersektor stoßen auf langsameres weltwirtschaftliches Wachstum. Daher gestaltet sich der Umbau der chinesischen Wirtschaft in eine auf den Binnenmarkt und den Konsum orientierte Richtung länger und schwieriger als erwartet.

Die angekündigten Reformen des heimischen Finanzmarktes sorgen für besondere Unruhe. Sie werden die finanziellen Privilegien hochverschuldeter Staatsunternehmen und staatlicher Institutionen beschneiden und die staatlichen Großbanken als Finanziers unter Druck setzen, weil der Anteil notleidender Kredite steigen dürfte. Die chinesische Regierung hat zwar bislang viel Geschick darin bewiesen, den Strukturwandel der Unternehmen durch Anreize und Ausprobieren von Reformen - etwa in regionalen Sonderzonen - zu lenken. Nun aber muss sie lernen, dass der finanzwirtschaftliche Strukturwandel noch mehr verlangt als Managementvermögen und Effizienzkontrolle. Er verlangt Verständnis für erratische Marktausschläge bei Herdenverhalten, außerdem Zurückhaltung bei politisch motivierten Eingriffen in die Finanzmärkte - wenn voreilig Marktversagen konstatiert, stattdessen aber Politikversagen offenbar wird.

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