Statement

Corona-Schulden nicht auf die lange Bank schieben

24.04.2020

Stefan Kooths, Konjunkturchef des IfW Kiel, zur Diskussion um „ewige Anleihen“ zur Finanzierung der Schäden aus der Corona-Krise.

Kiel Institute Statements - Stefan Kooths

„Der globale Wirtschaftseinbruch reißt weltweit tiefe Löcher in die öffentlichen Haushalte und schraubt die Staatsschulden nach oben. Gleichzeitig nagt die Krise mit zunehmender Dauer am Produktionspotenzial. Für Länder mit bereits hohen Schuldenständen stellt sich für Anleger damit verstärkt die Frage nach der fiskalischen Solvenz. Einen Ausweg aus drohender Überschuldung erhoffen sich einige nun von „ewigen Anleihen“, mit denen die neuen Schulden auf unabsehbare Zeit gestreckt würden. Damit fielen zukünftig nur Zinslasten, aber keine Tilgungszahlungen an.

So einzigartig die aktuelle Krise sein mag, es wird nicht die letzte sein. Schwere Wirtschaftskrisen sind gerade kein einmaliges Ereignis, sondern sie treten nur unregelmäßig auf. Daher ist man gut beraten, in ruhigen Zeiten vorzusorgen. Solide Staatsfinanzen wirken wie eine Versicherung gegen makroökonomische Einbrüche. Ein Staat, der jederzeit Zugang zum Kapitalmarkt hat, bleibt fiskalisch auch in Notlagen voll handlungsfähig und kann die Kollateralschäden für das Wirtschaftsgefüge mit stabilisierungspolitischen Eingriffen in Grenzen halten. Daher liegt ein ambitionierter Tilgungsplan auch für die Corona-Schulden im allgemeinem Stabilitätsinteresse. Diese einfach auf die lange Bank zu schieben, wäre demgegenüber riskant. Die nächste Krise wird keine Ewigkeit auf sich warten lassen. So hat es nach der Großen Rezession durch die Weltfinanzkrise gerade mal zwölf Jahre gedauert, bis die Weltwirtschaft abermals unter massiven Stress geriet.

Ewige Anleihen sind für die Emittenten nur interessant, wenn sie niedrig verzinst sind. Ausgestattet mit einem Minizinscoupon werden sie jedoch zu hochspekulativen Papieren, die einem extremen Zinsänderungsrisiko ausgesetzt sind. Das wirft die Frage auf, weshalb sich hochverschuldete Emittenten derzeit überhaupt die Chance auf niedrige Zinsen ausrechnen. Hier kommt die Geldpolitik ins Spiel. Denn wenn das Eurosystem morgen erklärte, fortan alle Käufe von Staatspapieren einzustellen, würden sich wohl keine so günstigen Zinskonditionen am Markt einstellen und die Attraktivität von ewigen Anleihen verblassen. Vermutlich würde bereits die Ankündigung, diese Papiere nicht für Refinanzierungsgeschäfte zu akzeptieren, die Konditionen für die Emittenten merklich verschlechtern. Wenn sie aber nur mit geldpolitischem Flankenschutz zu fiskalischer Entlastung führen, ist die Grenze zur monetären Staatsfinanzierung überschritten.

Ewige Anleihen sind damit kein Zaubermittel gegen steigende staatliche Finanzierungslasten. Der kurzfristige Anstieg der Staatsschulden ist in der Corona-Krise unvermeidlich. Die entstehenden Extra-Schulden sollten aber in den Nachkrisenjahren wieder abgetragen werden. Es wäre riskant, sie auf die lange Bank zu schieben. Und schon gar nicht gehören sie auf die Zentralbank.“

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