Statement

Chinesische Wachstumszahlen lassen Schlimmes befürchten

17.04.2020

Klaus Jürgen-Gern, Federführung Weltkonjunktur und Rohstoffmärkte am IfW Kiel, kommentiert die aktuellen Wachstumszahlen aus China.

Kiel Institute Statements - Klaus-Jürgen Gern

„Das Bruttoinlandsprodukt in China ist im ersten Quartal stärker geschrumpft als erwartet. Im Vergleich zum Vorjahr ging es um 6,8 Prozent zurück, dies entspricht einem Einbruch gegenüber dem Vorquartal um etwa 10 Prozent. Ein geringfügiger Anstieg des Bruttoinlandsprodukts im Gesamtjahr 2020, wie er vor zwei Wochen von der Gemeinschaftsdiagnose und Anfang dieser Woche vom IWF prognostiziert worden war, ist nun nur noch möglich, wenn sich die chinesische Wirtschaft sehr rasch und vollständig erholt.

Die Zeichen hierfür stehen aber nicht gut: Zwar wurde in den meisten Fabriken im März begonnen, die Produktion wieder hochzufahren. Die sozialen Beschränkungen wurden aber bisher nur zu einem Teil wieder gelockert, Kinos und Theater etwa sind nach wie vor geschlossen. Hinzu kommt, dass die Produktion in einer großen Zahl von Ländern inzwischen in Teilen stillsteht, so dass derzeit die Auslandsnachfrage fehlt.

Das Ausmaß des Einbruchs der Produktion in China im ersten Quartal gibt einen Hinweis auf die Tiefe der Rezession in den Ländern, in denen derzeit Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie die Wirtschaft lähmen. Insbesondere dort, wo Ausgangssperren auch die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe und im Bau zu großen Teilen über Wochen unmöglich machten, etwa in Italien, Spanien und Frankreich dürfte der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts noch stärker ausfallen. In Deutschland wurde die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe hingegen in geringerem Umfang beeinträchtigt und auch die Bauwirtschaft konnte weiterarbeiten, so dass der Einbruch in der deutschen Wirtschaft zwar immer noch heftig, gleichwohl etwas schwächer ausfallen könnte.“

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