Arundhati Bhattacharya

Arundhati Battacharya shows the medal she received when accepting the Global Economy Prize in 2017.

Arundhati Bhattacharya bei der Verleihung des Weltwirtschaftlichen Preises 2017

Arundhati Bhattacharya wird am 18. März 1956 in Kalkutta in Indien geboren. Sie stammt aus der indischen Oberschichtenkaste der Brahmanen und wuchs in Bhilai in Zentralindien auf. Ihr Vater arbeitet als Manager bei Bhilai Steel Plant, einem der größten Stahlwerke Indiens. Nach dem Besuch einer Jesuiten-Schule will sie Medizin studieren. Weil sie nicht zugelassen wird, entscheidet sie sich für ein Studium der englischen Literatur. Nach ihrem Abschluss absolviert sie 1975 – aus einer Laune heraus – die Aufnahmeprüfung für Beamte. 1977 beginnt sie ihre Bankausbildung bei der State Bank of India (SBI).

Sie arbeitet in wechselnden Positionen bei der SBI, ist zunächst für das Kreditgeschäft mit den Bauern auf dem Land zuständig, später arbeitet sie im Investmentbanking in New York. 2005 übernahm Bhattacharya die Führung der Regionalorganisation im Bundesstaat Uttar Pradesh im Norden Indiens. Im Oktober 2013 wird sie von der indischen Regierung für drei Jahre zum Vorstand der Staatsbank bestellt. Sie ist in der 209-jährigen Unternehmensgeschichte der SBI die erste Frau an der Spitze und die erste Frau an der Spitze eines Fortune 500 Unternehmens in Indien. Auch wird die Funktion erstmals nur für eine begrenzte Zeit besetzt. Zu dieser Zeit hat die SBI 220.000 Beschäftigte, 15.000 Filialen und vergibt ein Fünftel aller Kredite in Indien.

Die Bankorganisation und das Bankmanagement der SBI, deren Mehrheit der Staat hält, werden von Bhattacharya als „verschlafen“ beschrieben. Die Struktur ist geprägt vom Staatssozialismus und einer überbordenden Bürokratie. Die Kundenorientierung empfindet sie als wenig ausgebildet und das Geschäftsgebaren in den Regionen wird von ihr als verfilzt kritisiert. Bhattacharya hat außerdem mit sinkenden Profiten und faulen Krediten zu kämpfen.

Sie schafft es, die Arbeitsabläufe von SBI sehr viel effizienter zu gestalten, auch dank neuer Technologien. Sie gründet den Ableger SBI in Touch, deren Filialen kein Papier mehr benutzen und ausschließlich auf elektronische Kommunikation und Touchscreens setzen. Als erklärtes Ziel gibt sie aus, mehr junge Leute als Kunden gewinnen zu wollen und transformiert SBI von einem staatlichen Kreditinstitut zu einem modernen Dienstleistungsunternehmen für Bankgeschäfte.

Aufgrund ihrer eigenen Erfahrung mit der Doppelbelastung als Bankmanagerin, Ehefrau und Mutter führt sie bei der SBI eine 2-jährige Sabbatical-Regelung für Frauen zur Pflege ihrer Kinder und Angehörigen ein. Bhattacharya wurde von Fortune zur viert­mächtigsten Frau Asiens und von Forbes auf Platz 30 der mächtigsten Frauen der Welt gewählt. 2016 wird ihr Vertrag ohne Befristung verlängert. Sie ist verheiratet und hat eine Tochter.