Abschlusskonferenz Ökonomie des Klimawandels

10 Jahre Wirtschaftsforschung zum Klimaschutz

30 - 31 Mai 2022
10117 Berlin
dbb forum, Friedrichstraße 169

Würdigung der Forschungs­leistung im BMBF-Förder­schwer­punkt Öko­nomie des Klima­wandels II

Paneldiskussion

Paneldiskussion mit Sabine Nallinger, Berthold Goeke, Brigitte Knopf, Artur Runge-Metzger und Moderatorin Conny Czymoch (von links)

Seit mehr als 10 Jahren hat das Bundes­minis­terium für Bil­dung und For­schung (BMBF) wissen­schaft­­liche Pro­jekte auf dem Gebiet der Öko­nomie des Klima­wandels geför­dert. Die zweite Förder­phase been­deten am 30. & 31. Mai 2022 etwa 150 Teilneh­mende aus Wissen­schaft, Politik, Gesell­schaft und Wirt­schaft auf der Kon­ferenz „10 Jahre Wirt­schafts­forschung zum Klima­schutz“. Sie kamen erst­mals seit langem und vor­erst letzt­malig im Rahmen des Dialogs zur Klima­ökonomie zusammen, um die Ergeb­nisse der Forschungs­arbeiten der 29 Projekt­konsortien zu präsen­tieren und zu dis­ku­tieren. Ein ab­wechs­­lungs­reiches Prog­ramm in der Tra­di­tion der Serie Forum Klima­ökonomie führte durch die zwei Tage und bot Gele­gen­heit für den Austausch über klima­politische Heraus­for­derungen vor dem Hinter­grund der aktuellen welt­poli­tischen Lage und über die länger­fristigen Auf­gaben für die klima­öko­no­mische Wissen­schaft im gesell­schaft­lichen Trans­for­ma­tions­prozess.

Staats­sekretär Sattelberger fordert „Rigor AND Relevance“ von der Wissenschaft

Dr. h.c. Thomas Sattelberger, Par­la­men­ta­rischer Staats­sekretär im BMBF, betonte in seinem Gruß­wort, der Klima­wandel und öko­no­mische Frage­stellungen dazu müssten auch an­ge­sichts von Pan­demie und Krieg in Europa wichtig bleiben. Nur mit Forschung, neuen Technologien und Innovationen ließen sich die Klimaziele erreichen und gelinge die Anpassung an den Klimawandel. Drei wichtige Aktionsfelder des BMBF hierzu sind: 1. Die natio­nale Wasserstoff­strategie, 2. For­schung zu nega­tiven CO2-Emissionen  und 3. ein neuer Förderschwerpunkt zum Thema „Klima­schutz und Finanz­wirtschaft“. Dabei sei es besonders wichtig zu unter­suchen, welche Instru­mente jenseits von Ordnungs­recht und Sub­ven­tionen in einer öko-sozialen Marktwirtschaft die stärksten Hebel für die Trans­for­mation dar­stellten. Analy­tische Genauigkeit versus Relevanz seien dabei keine Anta­go­nisten, viel­mehr müsse es statt „Rigor or Relevance“ heißen: „Rigor and Relevance“. Staats­sekretär Sattelberger rief die Wissen­schaft dazu auf, sich laut­stark zu Wort zu melden, denn Diskurs sei ein wichtiger Treiber für Verän­derung.

Erster Konferenz­tag steht im Zeichen politischer Diskussion

Den ersten Konferenz­tag er­öffnete eine Panel­diskussion zum aktuellen Stand der Um­setzung der deutschen und euro­päischen Klima­schutz­gesetz­gebung, die Conny Czymoch moderierte. Es diskutierten Berthold Goeke (Bundes­ministerium für Wirt­schaft und Klima­schutz, BMWK), Artur Runge-Metzger (Direktor i.R., GD Klima­politik, EU-Kommission), Brigitte Knopf (MCC Berlin und Experten­rat für Klima­fragen) und Sabine Nallinger (Stiftung KlimaWirtschaft) lebhaft mit dem Publikum. Neben dezen­tralen Dis­kussionen zu aktuellen Themen der Klima­ökonomie und Poster-Sessions zur Präsentation von Projekt­ergeb­nissen, stritten sich ein opti­mis­tischer Energie­ökonom (Christian von Hirschhausen, TU Berlin) und ein pessi­mis­tischer Konjunktur­forscher (Jens Boysen-Hogrefe, Kiel Institut für Welt­wirtschaft) engagiert über die Aus­wirkungen des Ukraine-Krieges auf den Klima­schutz. Der eine sah die poli­ti­schen Zeichen in Europa auf dem ver­stärkten Ausbau der Erneuer­baren stehend und Russland als zu stark isoliert, um andere Länder in den Klima­verhand­lungen negativ zu beein­flussen. Der andere sah in Europa ledig­lich eine Ab­kehr von russischem Gas hin zu fossilen Brenn­stoffen aus befreun­deten Ländern. Die Spaltung der Roh­stoff­märkte führe zur Ver­lagerung der Produktion in mit Russland befreundete Niedrig­energie­preis­länder und schwäche damit die Klima­wirkung des EU-ETS.

Verleihung des Early Career Best Paper Awards

Ein weiteres Highlight war die Aus­zeichnung der drei besten Papiere, die von jungen Forschenden im Rah­men ihrer Promotion in einem Projekt des Förder­schwer­punkts Ökonomie des Klima­wandels ver­öffentlicht wurden. Geehrt wurden Hannes Greve (GIGA Hamburg), Lorenzo Montrone (MCC Berlin) und Svenja Fluhrer (PIK) für ihre exzellenten Forschungs­arbeiten. Mehr Informationen hier

Der zweite Konferenztag widmet sich Herausforderungen für die Wissenschaft

Neben einer Viel­zahl von de­zentralen Dis­kussions­runden und Poster-Sessions war am zweiten Tag die Keynote von Cameron Hepburn (Smith School of Enter­prise and the Environ­ment, Oxford University) mit dem Thema „The state of climate economics“ ein Höhe­punkt. Er erläu­terte seine Sicht zum Stand der klima­öko­no­mischen For­schung, indem er zeigte, wo er Fort­schritte, Heraus­for­derungen und neue Rich­tungen der For­schung sieht. Die leb­hafte Frage&Antwort-Runde nach seinem Vor­trag ließ fast ver­gessen, dass er per Video zuge­schaltet war. Auch das ab­schlie­ßende Panel „Quo vadis Klima­ökonomie“ stellte sich der Frage, welche Heraus­forderungen für die klima­öko­no­mische For­schung und auch für die Forschungs­förderung verbleiben. Karsten Hess (BMBF) und Jakob Schlandt (Tagesspiegel) disku­tierten diese Frage mit Sabine Fuss (MCC Berlin) und Martin Kesternich (ZEW), bevor die Konferenz, der Förder­schwer­punkt Ökonomie des Klima­wandels und der begleitende Dialog zur Klima­ökonomie mit einem Hauch von Wehmut beendet wurde.

 

Eindrücke von der Konferenz

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Programm

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