Dialog zur Klimaökonomie

Projekte des Förderschwerpunkts

 

Die breit gefächerten Projekte des Förder­schwerpunkts sind inhaltlich in vier Themen­schwerpunkte und ein Quer­schnitts­thema gegliedert:

  • Thema 1: Klimaschutz & Transformation: Dekarbonisierung - Wettbewerbsfähigkeit - Lebensqualität
  • Thema 2: Klimaschutz: Instrumente und Politiken nach COP21
  • Thema 3: Umgang mit Klimarisiken
  • Thema 4: Internationale Klimapolitik
  • Thema 5: Finanzmärkte, Finanzwirtschaft und Finanzierung

Thema 1: Klimaschutz und Transformation: Dekarbonisierung – Wettbewerbsfähigkeit – Lebensqualität

Mit den Beschlüssen der 21. UN-Klimakonferenz 2015 in Paris (COP21) wurden ambitionierte Klimaziele vereinbart, für deren erfolgreiche Umsetzung ein tiefgehender struktureller Wandel von Wirtschaft, Gesellschaft und Politik erfolgen muss – auch in Deutschland. Die durch das Übereinkommen von Paris international neu gesetzten Rahmenbedingungen für einen weltweiten Klimaschutz werden durch regionale langfristige Klimaziele der EU und lokale Maßnahmen wie dem „Klimaschutzplan 2050“ der Bundesregierung Deutschlands konkretisiert.

Um das in Paris festgelegte Ziel von einem Temperaturanstieg unter 2°C zu erreichen, muss laut dem letzten Sachstandsbericht des IPCC, eine globale Dekarbonisierung der einzelnen Volkswirtschaften ab Mitte des 21. Jahrhunderts möglichst weitgehend umgesetzt sein.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage wie notwendige Transformationsprozesse so gestaltet werden können, dass die gesetzten Klimaziele erreicht werden und dabei gleichermaßen wirtschaftlicher Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit sowie gesellschaftlicher Zusammenhalt und Lebensqualität gewährleistet bleiben. Daher sollen im Rahmen des Themenschwerpunkts mögliche nationale und internationale Transformationspfade, insbesondere unter Berücksichtigung aller Aspekte der Nachhaltigkeit und möglicher Trade-Offs, erforscht und diskutiert werden.


Thema 2: Klimaschutz: Instrumente und Politiken nach COP21

Der Hauptfokus innerhalb dieses Themenschwerpunktes liegt auf der Frage, mit welchen (klima)politischen Instrumenten die ambitionierten Klimaschutzziele des Übereinkommens von Paris erreicht werden können. Klimapolitische Instrumente und Maßnahmen sollen dabei vor allem auch in Hinblick auf ihre langfristigen wirtschaftlichen Effekte, ihre Leistungsfähigkeit und möglichen Wechselwirkungen bewertet und erforscht werden. Dies soll unter Berücksichtigung der Gesamtbilanz aller Auswirkungen und des wirtschaftlichen, sozialen und politischen Kontextes erfolgen.

In der Betrachtung möglicher Klimaschutzmaßnahmen spielen vor allem auch die Auswirkungen der von den Unterzeichnerstaaten des Pariser Abkommens national festgelegten Beiträge (Nationally Determined Contributions – NDCs) eine wichtige Rolle. Die Leistungsfähigkeit, Wirkungen und Wechselwirkungen klimapolitischer Instrumente sollen in den Blick genommen werden, um effektive Lösungskonzepte zu entwickeln.

Nach wie vor stellt die Entwicklung eines (globalen) Kohlenstoffmarktes ein zentrales klimapolitisches Instrument dar. Daher soll die Leistung vorhandener Emissionshandelssysteme bewertet sowie Maßnahmen zur Vermeidung von Carbon Leakage, die Koordinierung von CO2-Preisen und Möglichkeiten zur Verknüpfung und Weiterentwicklung der Emissionshandelssysteme untersucht werden.

Forschungsprojekte zum Thema 2


Thema 3: Umgang mit Klimarisiken

Im Mittelpunkt des Themenschwerpunktes steht die Erforschung der Folgen und Kosten des Klimawandels für Wirtschaft und Gesellschaft einerseits, sowie die Analyse der möglichen Anpassungsstrategien an die Auswirkungen des Klimawandels andererseits. Beide Gebiete sind inhaltlich eng miteinander verknüpft.

Folgen und Kosten des Klimawandels

Ziel ist es, die integrierte Bewertung von Folgen und Kosten des Klimawandels zu verbessern und dabei auch den Nutzen zu berücksichtigen, der aus der Vermeidung von Schadens- und Anpassungskosten durch die Erreichung von Klimaschutzzielen entsteht. Es sollen naturwissenschaftliche Befunde durch sozio-ökonomische Analysen ergänzt werden - unter dem Einbezug von Wechselwirkungen mit anderen Politikbereichen. Dabei werden sowohl Szenarien, in denen der Zielkorridor von 1,5 – 2°C erreicht wird, als auch Temperaturszenarien jenseits dieses Zieles betrachtet. Die gewonnen Erkenntnisse dienen als Entscheidungsgrundlage für Stakeholder aus Wirtschaft, Gesellschaft und Politik in Hinblick auf Anpassungs- und Klimaschutzmaßnahmen.

Die Folgen und Kosten des Klimawandels werden auch in Zusammenhang mit dem Bereitstellen von finanziellen Mitteln an Entwicklungsländer für erforderliche Anpassungsmaßnahmen zunehmend relevanter. Zudem sind fundierte wissenschaftliche Aussagen über nachteilige Folgen des Klimawandels für die internationale Klimapolitik, besonders in Hinblick auf die fehlende Verbindlichkeit und fehlende Sanktionsmechanismen des Übereinkommens von Paris, wichtig, um den Nutzen eines ambitionierten Klimaschutzes zu verdeutlichen.

Anpassung an Klimaänderungen

Für die Anpassung an Klimaänderungen ist nicht nur die Verbesserung der Widerstandsfähigkeit und Verringerung der Vulnerabilität von Bedeutung, sondern auch die Vermeidung und Bewältigung von Schäden und Verlusten. In der zweiten Phase des Förderschwerpunktes soll zudem ein stärkerer Fokus auf die internationale Perspektive, auf die reale Verringerung der Vulnerabilität und auf institutionellen Maßnahmen zum Umgang mit Klimarisiken gelegt werden.

 

Forschungsprojekte zum Thema 3


Thema 4: Internationale Klimapolitik

Das Übereinkommen von Paris hat weitestgehend Einigkeit über die Ziele des Klimaschutzes geschaffen, aber die konkrete Umsetzung und die notwendigen (nationalen) Schritte zur Erreichung dieser Ziele offen gelassen. Die internationale Klimapolitik steht daher vor der schwierigen Aufgabe, diese Lücke zu schließen und eine gemeinsame Umsetzung zu verhandeln.

Besonders die freiwilligen nationalen Selbstverpflichtungen stellen eine Herausforderung für die Einhaltung der vereinbarten 2°C-Obergrenze dar. Die bisher genannten nationalen Klimaschutzbeiträge (INDCs) sind noch nicht ausreichend, um die langfristigen Ziele des Abkommens zu erreichen. Daher ist eine verstärkte Debatte über die konkrete Ausgestaltung der nationalen Beiträge (NDCs) im weiteren UNFCCC-Prozess zu erwarten. Damit verbunden ist die Diskussion um Verteilungsfragen und Lastenausgleich zwischen den einzelnen Staaten. Weiteres Konfliktpotential birgt das Thema des Finanztransfers zwischen Industrie- und Entwicklungsländern.

Besonders vor dem Hintergrund der weltweit immer noch steigenden CO2-Emissionen verstärkt sich die Brisanz der Verhandlungen und Konfliktlinien. Zudem ist aufgrund der Erfahrung in anderen Bereichen internationaler Politik mit Unterwanderungs- und Ausbruchsversuchen einzelner Staaten aus dem Abkommen von Paris zu rechnen. In diesem Themenschwerpunkt sollen daher die globalen Herausforderungen eines effektiven Klimaschutzes in den Blick genommen und Lösungen entwickelt werden.

Forschungsprojekte zum Thema 4


Thema 5: Finanzmärkte, Finanzwirtschaft und Finanzierung

Der Finanzsektor nimmt eine Schlüsselrolle in der Erreichung der Klimaschutzziele des Übereinkommens von Paris ein und ist von hoher Relevanz für die klimaökonomische Forschung. Angesichts der zunehmenden Bedeutung von Finanzierungsaspekten in den einzelnen Projekten, werden die angesprochenen Forschungsfragen in diesem Querschnittsthema gesondert koordiniert.

Die Beschlüsse der COP21 in Paris haben erstmals das völkerrechtlich verbindliche Ziel festgelegt, Finanzflüsse mit  dem Bestreben nach einer Dekarbonisierung der Volkswirtschaften vereinbar zu machen. Dies bedeutet einerseits, dass Finanzflüsse so (um)gesteuert werden müssen, dass nur noch klimafreundliche Investitionen finanziert werden. Andererseits sollen Projekte und Maßnahmen finanziert und entwickelt werden, die Anpassungen an den Klimawandel ermöglichen und eine Stärkung der Widerstandsfähigkeit gegenüber den Folgen des Klimawandels fördern.

Bestrebungen diese Ziele umzusetzen, zeigen sich nicht nur auf internationaler Ebene, sondern auch in der EU mit dem Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums. Auch die Bundesregierung greift die Thematik einer nachhaltigen Finanzwirtschaft im Klimaschutzplan 2050 und in der im Februar 2019 beschlossenen Sustainable-Finance-Strategie auf.

Allerdings wird auch deutlich, dass zur Erreichung der Klimaschutzziele von Paris noch tiefgehende Änderungen im Finanzsystem und Geschäftsprozessen erforderlich sind. Es gibt zudem laut der HLEG (High‐Level Expert Group on Sustainable Finance) mehr als einen möglichen Transformationspfad für diesen Wandlungsprozess und somit ergeben sich neue Herausforderungen diesen Wandel konkret zu gestalten. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, koordiniert das Querschnittsthema Forschungsarbeiten, die sich mit Finanzierungsaspekten befassen, und stärkt somit die finanzwirtschaftliche Perspektive der klimaökonomischen Forschung.

Partnerinstitutionen

Die 29 Forschungsprojekte des Förderschwerpunkts Ökonomie des Klimawandels werden in 86 Teilprojekten
an deutschlandweit 49 Institutionen durchgeführt: