Projekt

Internationale Kapitalflüsse über 200 Jahre

Projektbeginn 04/2017
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Projektende 12/2019

Wie beeinflussen internationale Kapitalflüsse die globale Finanzstabilität? Zur Beantwortung dieser Frage erstellen wir in einem Projekt mit Carmen Reinhart (Harvard) und Vincent Reinhart (Standish Mellon) eine neue, umfangreiche Datenbank zu internationalen Kapitalflüssen der letzten 200 Jahre. Hierfür tragen wir langfristige Zeitreihen zur Leistungsbilanz, Gold- und Wechselkursreserven, sowie Schuldenemissionen für über 50 Länder weltweit zusammen. Unsere Ergebnisse zeigen, dass internationale Kapitalflüsse in Zyklen verlaufen, mit mehr als 15 weltweiten boom-bust Phasen seit 1815. Wir finden, dass diese globalen Kapitalflusszyklen mit dem Auftreten von Finanzkrisen in Verbindung stehen. In „Bust-Phasen“ in den die grenzüberschreitenden Kapitalflüsse zurückgehen steigt die Wahrscheinlichkeit von Finanz- und Schuldenkrisen in Peripherieländern deutlich an. Vorläufige Ergebnisse dieses Projekts wurden auf der jährlichen Forschungskonferenz des Internationalen Währungsfonds in Washington D.C. im November 2017 präsentiert. Die Datenbank und die Analyse werden seitdem kontinuierlich vorangetrieben. Voraussichtlich Mitte 2019 planen wir die Veröffentlichung der Daten und Ergebnisse.

Ein zweites, eng damit verbundenes Teil-Projekt untersucht einen Typus globaler Kapitalflüssen mit Mikro-Daten anstatt auf Länderebene, nämlich international ausgegebene Staatsanleihen, insbesondere in Schwellenländern. Unsere Forschungsfragen lauten: Wie riskant sind Staatsanleihen für Investoren und das Finanzsystem? Und wie profitabel bzw. verlustreich ist der Markt für internationale Staatsanleihen für Investoren? Um diese Fragen beantworten zu können, erstellen wir den bisher umfangreichsten Datensatz zu der Preisquotierung und Charakteristiken von Staatsanleihen sowie zu Schuldenschnitten (haircuts) in Krisenzeiten von 1815 bis 2017, also über zwei Jahrhunderte und weltweit. Die monatlich kodierte Datenbank mit tausenden internationalen Staatsanleihen erlaubt es, die Risikoanalyse in diesem Markt auf eine gänzlich neue Grundlage zu stellen. Erstmals lassen sich die Gewinne und Ausfallwahrscheinlichkeiten systematisch quantifizieren, um hieraus eine bessere Risikoabschätzung sowie Politikempfehlungen für die Finanzaufsicht abzuleiten. Ein Entwurf des ersten Forschungspapiers ist für Ende 2018 geplant.