Canadian Resettlement, Jordan

Forschungsthema

Migration und Entwicklung

Seit jeher verlassen Menschen ihre Heimat auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen. Heutzutage sind internationale Migrationsströme vor allem auf die enormen Lohnunterschiede zwischen den einzelnen Ländern zurückzuführen. Zurzeit leben mehr als 200 Millionen Menschen außerhalb ihres Geburtslandes. Jedes Jahr senden sie Geldtransfers im Wert von mehr als 300 Milliarden US-Dollar an ihre Familien in den Heimatländern. Internationale Arbeitsmigration hat wichtige wirtschaftliche, politische und soziale Folgen für die Migranten, die Zielländer und die Herkunftsländer; dennoch ist sie die am wenigsten erforschte Seite der Globalisierung.

Im Mittelpunkt unserer Forschung stehen die Effekte internationaler Migration auf die Migranten selbst, auf ihre Familien und Gemeinden und auf die wirtschaftliche, soziale, und politische Entwicklung in den Herkunftsländern. Letztlich wollen wir damit zur Gestaltung einer Migrationspolitik beitragen, die das große entwicklungspolitische Potenzial von internationaler Arbeitsmigration voll ausschöpft.

Unsere größeren aktuellen Projekte sind unten beschrieben. Zusätzlich führen wir kleinere Projekte mit externen Koautoren und Kollegen am Institut für Weltwirtschaft durch.

Soziale und kollektive Remittances

Wenn Menschen im Ausland leben, sind sie neuem Wissen, Ideen und Institutionen ausgesetzt. Migranten können daher neue Normen, Werte und Informationen aufnehmen und unter ihren Familien und Freunden in ihren Herkunftsländern verbreiten. In einer globalisierten Welt mit günstigen Kommunikationsmitteln und Reisemöglichkeiten können derartige Informationsflüsse wichtige Treiber des sozio-ökonomischen und politischen Wandels in den Herkunftsländern werden. In diesem Projekt analysieren wir die Muster und Konsequenzen sozialer Remittances im Kontext der Republik Moldau und der Philippinen. Des Weiteren gehen wir der Frage nach, inwieweit Migration und Rücküberweisungen zur Initiierung und Finanzierung von kommunalen Investitionsprojekten in Herkunftsländern beitragen („kollektive Remittances“).

Eine randomisierte Evaluation verbesserter Vorbereitungsseminare vor der Abreise für Migranten auf den Philippinen

Vorbereitungsseminare für Migranten vermitteln wichtige Informationen über das Zielland und können so ein Schlüssel sein, um den Nutzen zu steigern, den Migranten, ihre Familien sowie ihre Herkunfts- und Zielländer aus der Migration ziehen. Es gibt bisher jedoch keine wissenschaftlich rigoros evaluierten Ergebnisse dazu, welche Inhalte erfolgreiche Seminare enthalten sollten.

Gemeinsam mit der philippinischen Regierung entwickeln wir in diesem Projekt neue Seminarmodule und weitere unterstützende Maßnahmen, um Integrations- und Arbeitsmarkterfolg zu verbessern. Ein weiteres Ziel ist ein stärkeres Engagements von Migranten bei Diasporaaktivitäten zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung auf den Philippinen. Wir erheben Stichproben von permanenten philippinischen Migranten in den USA sowie von temporären Migranten aus den Philippinen in Hong Kong und Saudi Arabien und messen so die Effektivität alternativer Module für die Vorbereitungsseminare mit Hilfe einer randomisierten Kontrollstudie.      

Europäisches Immigrations- und Asylsystem

In einem neuen Projekt leisten wir ab Mitte 2016 evidenzbasierte Politikberatung und unterstützende Forschung zur Verbesserung des Europäischen Immigrations- und Asylsystems. Wir werden mit Forschern, Entscheidungsträgern, der Zivilgesellschaft und anderen Interessensgruppen zusammenarbeiten, um gemeinsam Wissen für die Entwicklung und Implementierung innovativer Politikmaßnahmen zu generieren. Wir werden uns dabei besonders aus ökonomischer Sicht mit allen Stufen des Migrationsprozesses befassen: Wohlfahrt der Migranten, Situation der Zurückbleibenden im Herkunftsland, die Integration von Migranten im Zielland sowie die Kooperation in der EU und darüber hinaus bei der Gewährung von Asyl und bei der Schaffung legaler Beschäftigungsmöglichkeiten für Angehörige von Drittstaaten.

Augewählte externe Projektpartner

André Gröger (Universität Frankfurt), Hillel Rapoport (Paris School of Economics), Andreas Steinmayr (LMU München), Dean Yang (University of Michigan), Asian Institute of Management, Migration Policy Center at the European University Institute, Centre for European Policy Studies.

Dr. Marcus Böhme