WFP Donates Food to Victims of "Hanna" Storm in Haiti

Forschungsthema

Determinanten und Wirkungen der Entwicklungshilfe

Es fehlt weiterhin an klarer Evidenz dafür, dass sich durch erhöhte Entwicklungshilfe die absolute Armut wirksam bekämpfen und das Wirtschaftswachstum in den Empfängerländern nachhaltig erhöhen lässt. Ebenso wenig steht allerdings fest, dass Entwicklungshilfe durchweg wirkungslos verpufft. Eine wesentliche Schwäche der früheren Literatur ist darin zu sehen, dass die Hilfe zumeist nicht differenziert betrachtet wird und zugleich wenig spezifische Kriterien für Erfolg oder Misserfolg verwendet werden. Darüber hinaus haben mögliche Komplementaritäten der Entwicklungshilfe mit anderen Politiken der Geber wenig Beachtung gefunden. Die globale Herausforderung einer nachhaltigen Armutsbekämpfung durch wirksame Hilfe der Geber bleibt deshalb zusammen mit der lokalen Herausforderung, diese Hilfe produktiv zu nutzen, ein wichtiger Punkt auf der Forschungsagenda nach der Vereinbarung der Sustainable Development Goals.

Der Forschungsbereich greift mehrere Aspekte dieses Themenkomplexes auf. Erstens wird untersucht, ob die externe Hilfe eine größere Wirksamkeit entfaltet, wenn sie nicht nur in der Weise zielgerichtet vergeben wird, dass eine Konzentration auf besonders arme Empfängerländer erfolgt. Die spezifischen Bedürfnisse in Bereichen wie Bildung, Gesundheit, Regierungsführung und Infrastruktur dürften sich von Land zu Land deutlich unterscheiden. Es bleibt deshalb zu analysieren, ob und wie stark sich die Geber bei der Allokation ihrer Hilfe an spezifischen Bedürfnissen orientieren – und ob dadurch bessere Ergebnisse erzielt werden könnten.

Zweitens geht es darum, mögliche Komplementaritäten mit anderen Politikbereichen herauszuarbeiten. Die Zusammenhänge zwischen Finanzhilfen, Handel, ausländischen Direktinvestitionen und Migration sind zu identifizieren, um konsistente und sich wechselseitig verstärkende Geberpolitiken zu entwerfen und die einseitige Abhängigkeit der Empfängerländer von staatlichen Finanzhilfen abzubauen.

Drittens geht es darum, die Schwächen von Querschnittsstudien auf Länderebene dadurch zu überwinden, dass der Fokus auf lokale Bedürfnisse und Effekte gelegt wird. Ein lokaler Ansatz, die Allokation und Wirksamkeit von Entwicklungshilfe abzuschätzen, wird dadurch erleichtert, dass zunehmend geokodierte Daten auf Projektebene verfügbar sind. Neue Erkenntnisse stehen insbesondere zu erwarten, indem Projektdaten für spezifische Sektoren in spezifischen Regionen mit Daten zu den sozialen und wirtschaftlichen Lebensbedingungen der Bevölkerung in diesen Regionen verbunden werden. Zudem sollen Unternehmenssurveys genutzt werden, um zu analysieren, ob eine geografische Fokussierung von Projekten der Entwicklungshilfe dabei hilft, regionale Engpässe für die privatwirtschaftliche Entwicklung zu überwinden, und ob sich dort eine bessere Unternehmensperformance nachweisen lässt.

Dr. Peter Nunnenkamp