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19.04.2014
 
 
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Erholung nach der Krise - ein Update

Die weltwirtschaftliche Erholung nach der Großen Rezession verläuft sehr heterogen. So weist die Erholung in den Schwellenländern eine sehr hohe Dynamik auf. Hingegen hat die Konjunktur in den direkt von einer Krise betroffenen Ländern noch nicht richtig Tritt gefasst. In Großbritannien, Spanien und Irland nahm die Differenz des Bruttoinlandsprodukts zum Vorkrisentrend zuletzt sogar noch zu, vor allem weil diese Länder erhebliche Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung ergriffen haben, die kurzfristig dämpfend auf die Konjunktur wirken.In den nicht direkt von einer Krise betroffenen Industrieländern verläuft die Erholung bisher heterogen. Während das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland seinen Vorkrisentrend nahezu wieder erereicht hat, dürfte die Wirtschaft Kanadas nicht zuletzt unter der schleppenden Erholung in den Vereinigten Staaten als mit Abstand wichtigstem Handelspartnerland leiden. In Japan wurde die Erholung durch die dramatische Naturkatastrophe unterbrochen. Alles in allem entspricht der Verlauf der derzeitigen Erholung dem historischen Muster, nach dem das Bruttoinlandsprodukt nach einer Banken- und Immobilienkrise sein Vorkrisentrend in der Regel nicht wieder erreicht, während es sich nach gewöhnlichen Rezessionen dem Trend zumindest wieder annähert. Im Folgenden geben wir einen Überblick über den derzeitigen Stand der Erholung in verschiedenen Ländergruppen im Vergleich zur Erholung nach historischen Banken- und Immobilienkrisen. Zu den Ländergruppen zählen die direkt von einer Krise betroffenen Länder (USA, Großbritannien, Spanien und Irland), die asiatischen Schwellenländer (China, Singapur, Südkorea und Thailand) und die nicht direkt von einer Krise betroffenen Industrieländer (Deutschland, Kanada, Japan und Belgien).
  

Erholung nach historischen Banken- und Immobilienkrisen und Rezessionen

Erholung nach einer gewöhnlichen Rezession
und nach einer Krise
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Jahresdaten, preisbereinigt; Bruttoinlandsprodukt als Index (Jahr 0=100); Erholung nach einem Rückgang des Bruttoin­landsprodukts von 5 Prozent im Jahr 1; in Anlehnung an die Ergebnisse von Boysen-Hogrefe et al. (2010).
Bruttoinlandsprodukt und Wachstumstrend während der großen fünf Banken- und Immobilienkrisen
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Quartalsdaten, preis- und saisonbereinigt; Bruttoinlandspro­dukt: Quartal 0=100; die historischen Krisen geben die durchschnittliche Entwicklung während der fünf großen Bankenkrise gemäß Reinhart und Rogoff (2008) wieder, wobei der Krisenbeginn Quartal 0 fällt. Wachstumstrends wurde anhand eines log-linearen Trends in den 5 bzw.10 Jahren vor Beginn der Krise im vierten Quartal 2007 geschätzt.
  

Erholung in direkt von einer Krise betroffenen Ländern

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Quartalsdaten, preis- und saisonbereinigt; Bruttoinlandsprodukt: viertes Quartal 2007=100; Wachstumstrend wurde anhand eines log-linearen Trends in den 5 bzw.10 Jahren vor Beginn der Krise im vierten Quartal 2007 geschätzt.
  

Erholung in den asiatischen Schwellenländern

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Quartalsdaten, Bruttoinlandsprodukt: viertes Quartal 2007=100; Wachstumstrend wurde anhand eines log-linearen Trends in den 5 bzw. 10 Jahren vor Beginn der Kirse im vierten Quartal 2007 geschätzt.
  

Erholung in nicht direkt von einer Krise betroffenen Industrieländern

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Quartalsdaten; Bruttoinlandsprodukt: viertes Quartal 2007=100; Wachstumstrend wurde anhand  eines log-linearen Trends in den 5 bzw. 10 Jahren vor Beginn der Krise im vierten Quartal 2007 geschätzt.

 
Für eine detaillierte Beschreibung siehe:

Jannsen, N. und J. Scheide (2010). Growth Patterns after the Crisis: This Time is not Different. Kiel Policy Brief 22. Institut für Weltwirtschaft, Kiel.

Weitere Literatur und Links:

Boysen-Hogrefe, J., N. Jannsen und C.-P. Meier (2010). The Ugly and the Bad: Banking and Housing Crisis Strangle Output Permanently, Ordinary Recessions Do Not. Kieler Arbeitspapiere 1586. Institut für Weltwirtschaft, Kiel.

Jannsen, N. und J. Scheide (2010). Unterschiede bei der Erholung lassen sich durch die Krise erklären. Wirtschaftswunder, Financial Times Deutschland.

Plickert, P. (2010). Wachstum kann man nicht erzwingen. Der Volks- und Betriebswirt, Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Reinhart, Carmen M., und Kenneth S. Rogoff (2008). "Is the 2007 US Subprime Crises so Different? An International Historical Comparison." American Economic Review 98, 2. 339–344.