Kieler Diskussionsbeitrag 500/501
Die Krise in Südeuropa oderdie Angst vor dem Dominoeffekt. Griechenland, Portugal und Spanien im Krisentest
Klaus Schrader und Claus-Friedrich Laaser
Auslöser der globalen Finanzkrise im Jahr 2008 war ein tiefgreifender Vertrauensverlust auf den Finanz- und Kapitelmärkten: Anleger bekamen Zweifel, ob die teilweise phantastischen Zinsversprechen eingehalten würden und ob sie überhaupt das den Finanzintermediären anvertraute Kapital jemals zurückbekämen. Nicht viel anders ist es bei der gegenwärtigen Staatsschuldenkrise in der Eurozone, nur dass in diesem Fall eher als konservativ geltende Anlagen in Staatsschuldverschreibungen aufgrund unerwarteter Ausfallrisiken in Verruf gekommen sind. Plötzlich wird die Ausgabenpolitik einzelner Staaten, die sich vor kurzem noch zu günstigen Konditionen scheinbar grenzenlos verschulden konnten, kritisch hinterfragt. Die Bonität von immer mehr Mitgliedern der Eurozone, die bislang gerne als Stabilitätsgemeinschaft gesehen wurde, wird in Zweifel gezogen. Sogar die Möglichkeit des Staatsbankrotts wird bei einzelnen Mitgliedern nicht länger ausgeschlossen, was wiederum Anlass zu Wetten auf das Scheitern gefährdeter Schuldenstaaten gibt. Diese Wetten können ihrerseits zur Abwärtsspirale eines Landes beitragen.