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Nationale Geldschöpfung zersetzt den Euroraum – Reformbedarf wird von Monat zu Monat dringlicher

ifw_logo_small.jpg Medieninformation vom 05. Juli 2012


Die Geldpolitik des Eurosystems operiert seit über vier Jahren im Krisenmodus. Stefan Kooths und Björn van Roye vom Institut für Weltwirtschaft (IfW) warnen in ihrem neuen Kiel Policy Brief Nr. 51 „Euroraum: Gemeinsame Währung – Nationales Geld“ eindringlich davor, dass ohne grundlegende Reformen des Eurosystems die Gefahr eines Zusammenbruchs des gemeinsamen Währungsraums von Monat zu Monat wächst.

Symptomatisch für die bisherige Krisenpolitik sind die ausufernden Target2-Positionen der beteiligten nationalen Zentralbanken. Die Zentralbanken der Euroraum-Mitglieder vergeben Zentralbankgeld zu unterschiedlichen Konditionen an Geschäftsbanken, die in national weitgehend segmentierten Finanzmärkten operieren. Damit will man in den Defizitländern den Zusammenbruch systemisch relevanter Geschäftsbanken verhindern, selbst wenn deren Geschäftsmodell nicht tragfähig ist. Die Staatsschuldenkrisen in einigen Ländern verschärfen dieses Problem zusätzlich. Diese geldpolitische Praxis bedeutet letztlich: Der Euroraum hat zwar eine gemeinsame Währung, aber die Geldschöpfung geschieht weitgehend autonom auf der Ebene der Mitgliedstaaten – und das völlig asymmetrisch. Eine massive Zahlungsbilanzfinanzierung durch das Eurosystem ist die Folge.

„Im Ergebnis wird die Funktionstüchtigkeit des Kapitalmarktes massiv beschädigt und der Wettbewerb im Bankensektor verzerrt“, so IfW-Forscher Kooths. Und sein Kollege van Roye ergänzt: „Es kommt in großem Stil zu einer Risikoüberwälzung von den Anlegern auf die europäischen Steuerzahler.“ Solche gravierenden Nebenwirkungen nehme das Eurosystem bislang mit dem Hinweis in Kauf, dass andernfalls die Finanzmarktstabilität im Euroraum gefährdet sei. Diesen Zielkonflikt zwischen geldpolitischen und quasi-fiskalischen Aufgaben gilt es dringend zu überwinden, so die IfW-Forscher. Abhilfe könnten nach ihrer Analyse eine tiefere monetäre Integration sowie eine Finanzmarktordnung für den Euro-Währungsraum schaffen, die es dem Eurosystem erlaubt, insolventen Banken nicht länger beistehen zu müssen. Hierzu gehört insbesondere, die Verlusttragfähigkeit des Geschäftsbankensektors durch die flächendeckende Einführung von CoCo-Bonds massiv zu stärken.

Kiel Policy Brief 51/ Kieler Diskussionsbeitrag 508/509

Ansprechpartner: Stefan Kooths und Björn van Roye