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IfW-Schuldenbarometer: Aufregung um spanische Staatsfinanzen weit überzogen

ifw_logo_small.jpg Medieninformation vom 23. April 2012


Nach dem IfW-Schuldenbarometer ist die aktuelle Aufregung um die spanischen Staatsfinanzen weit überzogen. Trotz des jüngsten Zinsanstiegs für zehnjährige Staatsanleihen auf über sechs Prozent ist die Tragfähigkeit der spanischen Staatsschulden nach wie vor gewährleistet.

Aus den Berechnungen der IfW-Ökonomen David Bencek und Henning Klodt geht hervor, dass es für Spanien erst bei einem Zinsanstieg auf zehn oder mehr Prozent wirklich kritisch werden könnte. Ausschlaggebend dafür ist vor allem das vergleichsweise niedrige Niveau der Staatsschulden. Die Schuldenquote liegt dort weit unter den entsprechenden Quoten von Griechenland und Portugal und sogar unter der von Deutschland.

Kritisch ist die Lage dagegen nach wie vor in Griechenland (trotz des mittlerweile erfolgten Schuldenschnitts) und in Portugal. Hier sind weitere Umschuldungen zu erwarten. Auch für Irland ist die staatliche Schuldenlast hoch, wobei dort allerdings die mittelfristigen Wachstumsperspektiven und damit auch das Potenzial zum Abbau der Schulden ausgesprochen positiv sind.

Das Konzept des IfW-Schuldenbarometers
Das Urteil des IfW-Schuldenbarometers über die Nachhaltigkeit der staatlichen Einnahmen und Ausgabenpolitik basiert auf dem Konzept des Primärüberschusses. Der Grundgedanke dabei ist einfach: Wir wissen zwar nicht, wo die absolute Obergrenze der staatlichen Schuldenquote genau liegt, aber wir wissen immerhin, dass diese Quote nicht ins Unendliche steigen kann. Denn dann würde irgendwann in der Zukunft zwangsläufig ein Punkt erreicht sein, an dem der Staat insolvent wird. Auf der Grundlage einer umfassenden Auswertung der historischen Erfahrungen zahlreicher Länder kommen die IfW-Ökonomen David Bencek und Henning Klodt zu dem Schluss, dass es für ein Land mehr als schwer werden dürfte, einen Anstieg seiner Staatsschulden zu verhindern, wenn die benötigte Primärüberschussquote über fünf Prozent des Sozialprodukts liegt. Spätestens hier ist eine kritische Schwelle erreicht, bei deren Überschreitung über einen längeren Zeitraum hinweg eine Sanierung der Staatsfinanzen ohne Hilfe von außen kaum noch möglich sein dürfte.

 

Tabelle: Das IfW-Schuldenbarometer: Benötigte Primärüberschüsse nach Ländern (Stand: April 2012)

Nominale Wachstumsrate         2%            4%      
Österreich  0,64%–0,83%
Belgien  1,47%–0,45%
Tschechien  0,61%–0,20%
Dänemark–0,05%–0,93%
Finnland  0,16%–0,88%
Frankreich  0,82%–0,90%
Deutschland–0,14%–1,81%
Griechenland33,57%30,35%
Ungarn  5,67%  3,98%
Irland  5,23%  3,09%
Italien  3,66%  1,26%
Luxemburg  0,01%–0,44%
Niederlande  0,16%–1,13%
Portugal11,19%  9,16%
Slowakei  1,34%  0,42%
Slowenien  1,36%  0,48%
Spanien  2,16%  0,80%
Schweden–0,02%–0,75%
Vereinigtes Königreich–0,40%–2,16%

 

Weitergehende Informationen zum IfW-Schuldenbarometer finden Sie hier.

Ansprechpartner: David Bencek und Prof. Dr. Henning Klodt