Griechenland: Staatsfinanzen nicht sanierbar
Medieninformation vom 19. September 2011
Nach den Beschlüssen des Euro-Sondergipfels vom 21. Juli 2011 stehen Griechenland zusätzliche Finanzmittel von über 100 Mrd. Euro zur Verfügung, die es erlauben, die aktuellen Löcher bei der Refinanzierung der Staatsschulden zu stopfen. Doch ist der Staatsbankrott damit wirklich verhindert? Die IfW-Experten David Bencek und Henning Klodt beantworten diese Frage in ihrer neuen Studie im Wirtschaftsdienst mit nein.
Klodt und Bencek analysieren die Entwicklung der griechischen Staatsfinanzen mit dem Konzept des fiskalischen Primärüberschusses, das auf die Nachhaltigkeit der Staatsfinanzen abstellt. Nach ihren Analysen müsste der griechische Staatshaushalt künftig über Jahre und Jahrzehnte hinweg einen Primärüberschuss von deutlich mehr als fünf Prozent des Sozialprodukts aufweisen, wenn die Schuldenlast nicht ins Uferlose wachsen soll. Wie die auf historische Daten gestützten empirischen Ergebnisse des Beitrags demonstrieren, ist eine solche Aufgabe schlichtweg unlösbar. An einem Schuldenschnitt für griechische Staatsanleihen führt also kein Weg vorbei.
Die Autoren wenden ihr Messkonzept auch auf die anderen Euroländer an: In Portugal ist die Lage ähnlich kritisch wie in Griechenland, und auch in Irland ist Wachsamkeit geboten. Auf vergleichsweise solidem Fundament stehen die Staatsfinanzen dagegen in Spanien und Italien, obwohl diese Länder zurzeit ebenfalls mit der Nervosität der Finanzmärkte zu kämpfen haben.
Fachliche Ansprechpartner: David Bencek und Prof. Dr. Henning Klodt