Schwache Konjunktur im Euroraum: Nur langsamer Abbau der Ungleichgewichte
Pressemitteilung vom 11. März 2010
Nach dem Einbruch im Winterhalbjahr 2008/09 stabilisierte sich die Produktion im Euroraum im weiteren Verlauf des Jahres 2009. Trotz der weiterhin expansiv ausgerichteten Geldpolitik zeichnet sich im Prognosezeitraum nur eine schwache Belebung ab. Die Wirtschaft wird von den Folgen von Verschuldungskrisen in einigen Mitgliedsländern belastet. In den peripheren Länder der Währungsunion haben sich in den vergangenen Jahren die Schuldenstände der privaten Haushalte und Unternehmen – insbesondere im Fall Griechenlands auch der öffentlichen Haushalte – spürbar erhöht, die Leistungsbilanzen rutschten ins Defizit und die Nettoauslandsvermögenspositionen verschlechterten sich. Die Hauspreisblasen in Spanien und Irland zeigen, dass es sich bei diesen Entwicklungen zumindest teilweise um Übertreibungen gehandelt hat. Die gemeinsame Geldpolitik hat dabei verstärkend gewirkt. In Folge dessen haben die peripheren Länder über Jahre hinweg an preislicher Wettbewerbsfähigkeit verloren. In der Krise waren dann die Arbeitsmärkte dieser Länder relativ stark betroffen. In Spanien stieg während der Rezession sogar die Produktivität. Dies kann als erster Schritt zum Abbau der Ungleichgewichte gesehen werden. Doch gehen wir davon aus, dass weitere Anpassungen erforderlich sind, die allerdings durch eventuelle Lohnrigiditäten behindert werden können. Insgesamt dürfte der anstehende Prozess zum Abbau der Ungleichgewichte die Inlandsnachfrage der peripheren Länder spürbar gedämpft halten. Sowohl öffentliche und private Haushalte in diesen Ländern sind gehalten ihren Schuldenstand zu reduzieren. Andere Länder des Euroraums, wie Deutschland oder die Niederlande, sehen sich einer dauerhaft niedrigeren Exportnachfrage aus den peripheren Ländern gegenüber.
Für das laufende Jahr erwarten wir einen Anstieg der Produktion um 0,7 Prozent. Im Euroraum ohne Deutschland wird die Dynamik noch etwas schwächer sein. Daran dürfte sich auch im Jahr 2011 kein starker Aufschwung anschließen. Mit Zuwachsraten des Bruttoinlandsprodukts von 1,5 Prozent im Euroraum und 1,4 Prozent im übrigen Euroraum wird sich die Konjunktur aber wohl leicht beleben.
Eckdaten zur wirtschaftlichen Entwicklung im Euroraum 2009–2011
| 2009 | 2010a | 2011a | |
|---|---|---|---|
| Bruttoinlandsprodukt (BIP)b | -4,1 | 0,7 | 1,5 |
| ohne Deutschland | -3,6 | 0,5 | 1,4 |
| Verbraucherpreise (HVPI)b | 0,3 | 0,7 | 0,9 |
| Arbeitslosenquotec | 9,2 | 9,9 | 9,7 |
| Finanzierungssaldo des Staates in Prozent des BIP | –6,3 | –6,7 | –5,6 |
| aPrognose vom März 2010. — bVeränderung gegenüber dem Vorjahr in Prozent. — cIn Prozent der Erwerbspersonen. — dRelativ zum nominalen Bruttoinlandsprodukt. | |||
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