Euroraum: Konjunktur trotz Schuldenkrise aufwärtsgerichtet
Pressemitteilung vom 9. September 2010
Die Konjunktur im Euroraum ist im Sommerhalbjahr aufwärts gerichtet. Im zweiten Quartal kam es zu einem merklichen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts und verschiedene Frühindikatoren weisen auf eine weitere Expansion im laufenden Quartal hin. Zu einer rapiden Verschlechterung der Finanzierungsbedingungen im Zuge der Finanzmarktturbulenzen scheint es nicht gekommen zu sein. Im übrigen Euroraum ist die Dynamik allerdings deutlich geringer als in Deutschland. Insbesondere in den Ländern, die direkt von der Schuldenkrise betroffen sind, hat sich die Stimmung eingetrübt, so dass dort mit zeitweiligen, im Falle Griechenlands weiter andauernden, Produktionsrückgängen zu rechnen ist. Im Euroraum insgesamt dürfte die Konjunktur im Winterhalbjahr 2010/2011 wieder an Fahrt verlieren. Schließlich laufen die Konjunkturprogramme vieler Länder aus und erste Sparmaßnahmen treten in Kraft. Auch wird sich die Abkühlung der Weltkonjunktur negativ auswirken. Schließlich ist mit einer deutlich geringeren Dynamik der Lagerinvestitionen zu rechnen, die jüngst insbesondere im Euroraum ohne Deutschland noch sehr hoch war. Positive Impulse dürften hingegen vom weiterhin niedrigen Zinsniveau auf den privaten Konsum und die Anlageinvestitionen ausgehen.
Insgesamt wird das Bruttoinlandsprodukt nach 1,6 Prozent im laufenden Jahr wohl nur mit 1,2 Prozent im kommenden Jahr expandieren. Dabei dürften die Zuwächse im Euroraum ohne Deutschland im laufenden Jahr merklich und im kommenden Jahr etwas geringer ausfallen als im Euroraum insgesamt. Angesichts des schwachen Konjunkturausblicks wird es wohl im übrigen Euroraum, anders als in Deutschland, zu keiner Erholung am Arbeitsmarkt kommen. Der Preisauftrieb dürfte verhalten bleiben.
| 2009 | 2010a | 2011a | |
|---|---|---|---|
| Bruttoinlandsprodukt (BIP)b | -4,1 | 1,6 | 1,2 |
| ohne Deutschland | -3,8 | 1,0 | 1,1 |
| Verbraucherpreise (HVPI)b | 0,3 | 1,5 | 1,4 |
| Arbeitslosenquotec | 9,4 | 10,0 | 10,0 |
| Finanzierungssaldo des Staates in Prozent des BIP | –6,3 | –6,4 | –5,4 |
| aPrognose vom September 2010. — bVeränderung gegenüber dem Vorjahr in Prozent. — cIn Prozent der Erwerbspersonen. — dRelativ zum nominalen Bruttoinlandsprodukt. | |||
Kurzfassung Kieler Diskussionsbeitrag 483/484 von Jens Boysen-Hogrefe, Klaus-Jürgen Gern, Björn van Roye und Joachim Scheide „Euroraum: Konjunktur trotz Schuldenkrise" aufwärtsgerichtet“.
Fachlicher Ansprechpartner:
Dr. Jens Boysen-Hogrefe
Tel: 0431-8814-210
Eckdaten zur wirtschaftlichen Entwicklung im Euroraum 2009–2011