Erfolgreiche Krisenbewältigung in Schwellen- und Entwicklungsländern
Pressemitteilung vom 31. Mai 2010
Schwellen- und Entwicklungsländer haben mit gutem Krisenmanagement unmittelbar nach Ausbruch der Krise maßgeblich zur raschen Überwindung der Rezession beigetragen. Dies ist das Ergebnis einer vergleichenden Studie über Anpassungsreaktionen in vierzehn Ländern, elf davon wichtige Schwellen- und Entwicklungsländer, darunter Brasilien, Indien, China, Russland und Südafrika. Die USA, das Vereinigte Königreich und Deutschland wurden als Referenzländer aus dem Kreis der alten OECD-Länder hinzugenommen. Die Studie wurde von der Bertelsmann-Stiftung initiiert und durchgeführt. Konzeptionell daran beteiligt war das Institut für Weltwirtschaft, vertreten durch Rolf J. Langhammer.
Anders als in der Asienkrise 1997, traf die Wirtschafts- und Finanzkrise die Schwellen- und Entwicklungsländer zwar als direkt Unbeteiligte, aber keinesfalls unvorbereitet. Dank erfolgreicher Reformen in den Jahren zuvor, konnten viele Regierungen effektiv und effizient auf die große Krise reagieren. Die Geldpolitik vieler Länder war nicht mehr wie noch 1997 in der Zwangsjacke einer rigiden und unglaubwürdigen Wechselkursbindung gefangen, und die Budgetdefizite waren durch Steuerreformen und eine größere Ausgabendisziplin abgebaut worden. Die Politik besaß damit mehr Handlungsspielräume. Trotz der unterschiedlichen Regierungssysteme konnten die politisch Verantwortlichen zumeist auch eine größere persönliche Legitimität in die Waagschale werfen als früher und somit Glaubwürdigkeitsdefizite vermeiden. Reaktionen auf die Krise erfolgten nach einer unterschiedlich langen Schockstarre koordiniert und rasch, beginnend mit einer geldpolitischer Lockerung, gefolgt von einer fiskalpolitischen Expansion. In der Bevölkerung wurden viele Programme akzeptiert, da sie sich auf benachteiligte Gruppen und Regionen konzentrierten und/oder mittelfristige Infrastrukturziele verfolgten, also nicht nur auf eine kurzfristige Krisenbekämpfung abzielten.
Da sich die Studie auf die zyklischen Anpassungen im Krisenjahr 2009 konzentriert, erlaubt sie keine Aussagen über den langfristigen Erfolg der realwirtschaftlichen Anpassung, der anstehenden Schuldenkonsolidierung und der Umsetzung notwendiger Finanzmarktreformen. Die Bewältigung dieser längerfristigen Herausforderungen hätte aber erheblich schlechtere Erfolgschancen, wären die Länder bereits an den zyklischen Anpassungen gescheitert.
Fachlicher Ansprechpartner:
Prof. Dr. Rolf J. Langhammer
Tel. 0431-8814-203