Chancen auf Studienplatz regional ungleich verteilt
Pressemitteilung vom 6. Mai 2010
Die Chancen von Abiturienten auf einen zulassungsbeschränkten Studienplatz hängen nicht zuletzt davon ab, wo sie ihr Abitur gemacht haben. So haben Abiturienten aus Thüringen im Durchschnitt dreimal so gute Chancen wie ihre Berliner Kollegen, einen Studienplatz in einem Fach mit Zulassungsbeschränkungen zu ergattern. Der Grund für diese ungleichen Zulassungschancen ist einfach: Thüringer Abiturienten dürfen sich im Durchschnitt über weitaus bessere Noten freuen als Schulabgänger aus Berlin.
Im jetzt veröffentlichten Kiel Policy Brief Nr. 16 „Chancen auf einen Studienplatz: Regionale Herkunft erheblich“ zeigen Sebastian Braun vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) und seine Co-Autoren Nadja Dwenger vom Max-Planck-Institut für Geistiges Eigentum, Wettbewerbs- und Steuerrecht und Thomas Oechsle: Es gibt einen eindeutig negativen statistischen Zusammenhang zwischen der durchschnittlichen Abiturnote in einem Bundesland und den Erfolgsaussichten auf einen Studienplatz. Dies geht aus der Untersuchung mit Daten der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) für das Wintersemester 2006/07 hervor. „Abiturienten aus Bundesländern mit schlechtem Notendurchschnitt haben deutlich geringere Chancen, einen Studienplatz zu erhalten“, so IfW-Forscher Braun. Hintergrund dieses Zusammenhangs: Im untersuchten Verfahren – dem sogenannten Auswahlverfahren der Hochschulen der ZVS, aber auch bei der dezentralen Studienplatzvergabe durch die Universitäten selbst – entscheidet hauptsächlich die Abiturnote über den Erfolg einer Bewerbung.
Diese Praxis kann rasch zu einem Konflikt mit dem Grundsatz gleicher Bildungschancen führen. Und auch aus Sicht der Universitäten würde sie nur dann nicht zum Problem, wenn die regional unterschiedlichen Durchschnittsnoten tatsächliche Leistungsunterschiede der Abiturienten widerspiegeln würden. Genau das tun sie aber nicht. Empirische Untersuchungen legen nahe, dass es zwischen den Bundesländern deutliche Unterschiede in der Bewertungsstrenge der Lehrer gibt. Zugleich unterscheidet sich auch das Leistungsniveau von Abiturienten aus unterschiedlichen Bundesländern merklich voneinander.
Solche regionalen Leistungsunterschiede erschweren eine gerechtere Gestaltung der Vergabe von Studienplätzen. Standardisierte Leistungstest als Ergänzung zur Abiturnote würden zwar der unterschiedlichen individuellen Leistungsfähigkeit Rechnung tragen. Sie benachteiligen aber Abiturienten aus Bundesländern mit geringerer Schulqualität – obwohl die Bewerber für die Qualität gar nichts können. Durch die Einführung von festen Länderquoten – wie von der ZVS schon beim sogenannten Abiturbestenverfahren praktiziert – würde demgegenüber zwar der Ort des Abiturs als Einflussfaktor ausgeschlossen. Es könnte dann aber passieren, dass ein schwächerer Bewerber aus einem Bundesland einem leistungsfähigeren aus einem anderen vorgezogen wird.
Vor diesem Hintergrund empfehlen die Forscher: „Hauptaugenmerk jedweder bildungspolitischen Anstrengungen sollte es daher sein, die Leistungs- und Bewertungsunterschiede zwischen den Bundesländern abzubauen und das Bildungsniveau anzugleichen – nach oben hin, versteht sich“.
Fachlicher Ansprechpartner:
Dr. Sebastian Braun
Tel. 0431-8814-482