Biokraftstoffe helfen dem Klima kaum – Reform der EU-Regeln nötig
Pressemitteilung vom 12. Mai 2010
Der Beitrag von Biokraftstoffen zur Vermeidung von Treibhausgasen ist unter den gegenwärtigen EU-Regeln möglicherweise negativ. Die Produktion von Biomasse auf bereits bestehenden Ackerflächen kann den Nahrungsmittelanbau verdrängen. Als Ausgleich werden dann Naturflächen – im Extremfall durch die Abholzung von Regenwäldern - für die Nahrungsmittelproduktion umgewandelt. Da hierdurch erhebliche Mengen an Treibhausgasen entstehen, hilft der Einsatz von Biokraftstoffen dem Klima unter den gegebenen Bedingungen kaum. Nur durch eine Reform der EU-Nachhaltigkeitsanforderungen an Biokraftstoffe kann die Klimabilanz von Biokraftstoffen verbessert werden. Dies ist das zentrale Ergebnis einer Studie von IfW-Umweltexpertin Mareike Lange, die jetzt unter Mitarbeit von Dominique Bruhn als Kiel Policy Brief veröffentlicht wurde.
Der Einsatz von Biokraftstoffen ist nach wie vor ein wichtiges Element der EU-Strategie zur Abschwächung des Treibhauseffekts. Es gilt, bis 2020 mindestens 10 Prozent des Energieverbrauchs im Transportsektor aus erneuerbaren, nicht-fossilen Energiequellen zu decken. Biokraftstoffe sind dafür bisher die wichtigste Bioenergieoption. Das Hauptproblem dieser Option ist der zusätzliche Flächenbedarf zur Biomasseproduktion. Findet die Produktion auf bereits vorhandenem Ackerland statt, dann steht die Biokraftstoffproduktion in direkter Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion („Tank versus Teller“). Werden dagegen zuvor ungenutzte oder anderweitig genutzte Flächen für die Biomasseproduktion umgewandelt (direkte Landnutzungsänderung), führt dies im Falle von Wald, Savannen und Grünland neben dem Verlust an Biodiversität und Habitaten zu erheblichen Emissionen. Der Beitrag von Biokraftstoffen zum Klimaschutz tendiert dann gegen Null. Treibhausgase entstehen auch dann, wenn die Biomasseproduktion den Anbau von Nahrungsmitteln von bereits bestehendem Ackerland verdrängt und Naturflächen umgewandelt werden, um die verdrängte Nahrungsmittelproduktion zu ersetzen (indirekte Landnutzungsänderung).
Die gegenwärtigen europäischen Nachhaltigkeitsanforderungen an Biokraftstoffe setzen zwar Anreize, direkte Landnutzungsänderungen und die damit verbundenen ökologischen und klimatischen Folgen gering zu halten. Dies geschieht aber auf Kosten von indirekten Landnutzungsänderungen. „Es ist daher zumindest fraglich, ob unter den gegeben Nachhaltigkeitsanforderungen Biokraftstoffe tatsächlich zur Vermeidung von Treibhausgasen beitragen“, betont IfW-Umweltexpertin Mareike Lange. Die europäischen Nachhaltigkeitsvorgaben sollten daher zukünftig effektive Anreize für die Biomasseproduktion auf degradierten Flächen, also auf versalzenen, kontaminierten und erodierten Flächen setzen. Auch für den stärkeren Einsatz von Rohstoffen mit einer besonders hohen Energieproduktivität pro Hektar sollten vermehrt Anstöße gegeben werden. Um das Problem der indirekten Landnutzungsänderungen langfristig zu lösen, sollten über die energetisch verwendete Biomasse hinaus allen Agrarprodukten ihre Klimakosten direkt zugerechnet werden. Nur so lässt sich ein effektiver Klimaschutz über den Preis für Agrarprodukte erreichen.
Fachliche Ansprechpartnerin:
Mareike Lange
Tel. 0431-8814-461