Geldpolitik nach der globalen Finanzkrise: Ist es an der Zeit auf die Geldbremse zu treten?
Pressemitteilung des IfW vom 23. Oktober 2009
Es mehren sich die Anzeichen dafür, dass die schlimmsten Ausprägungen der globalen Finanzkrise überwunden sein könnten, ein wirtschaftlicher Aufschwung ist in vielen Volkswirtschaften zu erkennen. Damit stellt sich die Frage, wann es an der Zeit ist, den Ausstieg aus der reichlichen Geldversorgung während der Krise einzuleiten. Das Problem dabei ist: Wenn die Zentralbanken weltweit beginnen, die überreichliche Liquidität aus dem Markt zu nehmen, um eine mögliche Inflationsgefahr zu bannen, könnten sie zugleich das noch zarte Pflänzchen der wirtschaftlichen Erholung gefährden oder die Unsicherheiten von Anlegern wieder verstärken. Im Kiel Policy Brief „Looking Forward: Exiting Unconventional Monetary Policy“ setzt sich Mewael F. Tesfaselassie vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel mit der unkonventionellen Geldpolitik während der aktuellen Krise und möglichen Ausstiegsszenarien auseinander. Er macht deutlich, dass Zentralbanken dringend eine Exit-Strategie aus der Geldpolitik der Krise entwickeln und auch publik machen sollten, selbst wenn der richtige Zeitpunkt, um diese umzusetzen, noch nicht gekommen ist.
Obwohl sich seit einigen Wochen die wirtschaftlichen Aussichten zu verbessern scheinen und kurz- und mittelfristige Prognosen nach oben korrigiert werden, hält es Tesfaselassie weder für wahrscheinlich noch für wünschenswert, dass die Zentralbanken allzu bald mit dem Abzug der Liquidität beginnen werden. Die Arbeitsmärkte seien noch immer schwach und die Bilanzen vieler Banken angeschlagen. Überdies würden diese Schwächen eine drohende Inflationsgefahr derzeit ohnehin im Zaume halten. Ein verfrühter Ausstieg könnte den beginnenden wirtschaftlichen Aufschwung im Keim ersticken.
Dennoch kommen die Zentralbanken nicht darum herum, eine glaubwürdige Exit-Strategie zu entwickeln und auch offenzulegen – auch wenn diese erst in einiger Zeit Anwendung finden wird. Nur so ist es laut Tesfaselassie zu verhindern, dass sich Unsicherheiten von Anlegern über die Entwicklung der Finanzmärkte breit machen und Inflationserwartungen festsetzen, die es schwierig machen, künftig für stabile Preise zu sorgen. Fed, EZB und andere Zentralbanken müssen dementsprechend deutlich machen, dass die Geldpolitik straffer wird, sobald sich die wirtschaftlichen Bedingungen normalisiert haben – aber auch erst dann. Die ergriffenen unkonventionellen Eingriffe der Vergangenheit ermöglichen dabei auch unkonventionelle Ausstiegsstrategien: Zusätzlich zu Offenmarktgeschäften könnten die Zentralbanken Zinsen auf Einlagen von Geschäftsbanken erhöhen. So könnte überflüssige Liquidität im Bankensektor direkt von der Zentralbank aufgesaugt werden. Schwieriger wird es vermutlich, den richtigen Zeitpunkt zu finden, ab welchem Zentralbanken anfangen könnten, erworbene Wertpapiere aus der Privatwirtschaft zu verkaufen, da deren Kaufkurse krisenbedingt verzerrt waren.
Abschließend verweist der Autor der Studie darauf, dass die geldpolitische Ausstiegsstrategie mit entsprechenden Ansätzen der Fiskalpolitik abgestimmt werden müsste. Abgesehen davon, dass höhere Zinsen auf Bankeinlagen bei den Zentralbanken die Refinanzierung des Fiskus verteuern würde, muss sich auch im Bereich der Fiskalpolitik die Einsicht durchsetzen, dass die Möglichkeiten einer stimulierenden und die Privatwirtschaft stützenden Finanzpolitik begrenzt sind. Daher sei eine klare Aufgabentrennung anzustreben: Die Finanzpolitik müsse auf einen Pfad der Nachhaltigkeit zurückkehren, während die Geldpolitik sich auf die Bekämpfung der Inflationsgefahr zu konzentrieren habe.
Fachlicher Ansprechpartner:
Mewael Tesfaselassie
Tel. 0431-8814-273