Pressemitteilung des IfW vom 21. August 2009
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GES News Nr. 7, 21. August 2009
Humboldtsche Ideale oder strukturiertes Bologna-Studium: Welcher Ansatz ermöglicht Chancengleichheit in Anbetracht der Wirtschaftskrise?
Die Hochschulreform im Rahmen des Bologna-Prozesses heizt derzeit die Gemüter von Studenten, Professoren und Wissenschaftspolitikern an. Einige fordern eine „Reform der Reform“, andere gar die Abschaffung der kürzlich eingeführten Bachelor und Master-Studiengänge. Da sich Deutschland durch letztere Alternative bildungspolitisch aus dem europäischen und globalen Netzwerk absondern würde, erscheint diese unwahrscheinlich. Es bleibt also zu erwägen, inwiefern eine Reform des Bologna-Prozesses benötigt wird, um den Bildungsstandort Deutschland zu stärken und zu verhindern, dass sich im Rahmen der Wirtschaftskrise soziale Ungleichheiten intensivieren. Welche konkreten Maßnahmen ergriffen werden müssen, wie und was Studen¬ten lernen sollten, werden Wissenschaftler und Politiker, unterstützt durch Vertreter aus der Wirtschaft, auf dem zweiten Global Economic Symposium (GES) vom 9. bis 11. September in der Fielmann Akademie Schloss Plön diskutieren.
Kritiker am Bologna-Prozess bemängeln vor allem, dass das starre Gebilde des modularen Bachelor-Studiums Studenten jegliches Freiheitsgefühl nimmt. So sorgen Stofffülle und Effizienzdruck dafür, dass humboldtsche Lernambitionen unterdrückt werden. Betrachtet man die Situation jedoch neutral, so könnten augenscheinliche Kritikpunkte durch eine Um oder Neustrukturierung leicht aus dem Weg geräumt werden. Bachelor-Studiengänge könnten in ihrer Dauer ausgeweitet werden, um die Dichte der Inhalte in den ersten Jahren zu verringern. Schaut man auf Nachbarländer wie die Niederlande, so wird außerdem deutlich, dass es sehr gut möglich ist, Auslandsaufenthalte in ein Bachelor-Studium zu integrieren. Befürworter des Bologna-Prozesses betonen die Chancen eines erfolgreichen Systems: Kurze, praxisnähere Studiengänge, bei denen die Lehre im Vordergrund steht, ermöglichen einer breiteren Masse den Zugang zur Hochschulbildung und sorgen für mehr Chancengleichheit. Wettbewerb, Mobilität und Marktfähigkeit steigern die Produktivität des Bildungssystems und bereiten Studenten praxisnah auf den Einstieg ins Berufsleben vor. Aspekte, die in der aktuellen Wirtschaftskrise eine besonders bedeutende Rolle spielen.
Im Zuge der Wirtschaftskrise ist zu befürchten, dass sich der Anstieg der „sozialen“ Ungleichheiten, der seit Beginn der 90er Jahre in deutlich mehr als der Hälfte aller Länder weltweit zu beobachten ist, weiter beschleunigt. Da Studien belegen, dass sich Bildungschancen in vielen Ländern angeglichen haben, muss das Problem in strukturellen Hindernissen liegen, die Menschen davon abhalten, ihre Chancen zu verwirklichen. Der Fokus einer Reform des Schul- und Hochschulsystems muss also darauf gerichtet sein, wie diese Schwächen behoben werden können. Wissenschaftler argumentieren, dass vor allem die kognitiven Fähigkeiten sowie die Anpassungsfähigkeit von Schülern und Studenten ausgebildet werden müssen. Ermöglicht eine Reform der Bachelor und Master-Studiengänge Studenten beispielsweise mehr internationale Mobilität, können Studenten Flexibilität „erlernen“, die sie in ihrem späteren Leben mit auf den Arbeitsmarkt nehmen.
Richard Ernst – Nobelpreisträger für Chemie und Teilnehmer des Arbeitskreises „Overcoming Inequality through Education“ auf dem GES – teilt hingegen die Meinung vieler Bologna-Gegner, dass die ethische und humanistische Bildung ein zentraler Punkt des Studiums sein sollte. Auch wenn Ernst im virtuellen Forum des GES bisher keine eindeutige Position zur Hochschulreform bezieht, so macht er doch deutlich, dass arbeitsfähige und flexible Arbeitnehmer nur auf der Basis einer ethischen und humanistischen Ausbildung entstehen.
Es ist also eine spannende Diskussion über Vorzüge, Nachteile und potenzielle Reformen des Bologna-Prozesses zu erwarten. Die Teilnehmer der Diskussionsrunde werden die Chancen und Herausforderungen verschiedener Bildungssysteme analysieren, und so beispielsweise auch herausarbeiten, ob sich ein gegliedertes oder ein gesamtheitliches Schulkonzept besser eignet, Bildungschancen anzugleichen – vor dem Hintergrund der kürzlichen Reformen im schleswig-holsteinischen Schulsystem auch ein Punkt großen lokalen Interesses.
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Das zweite Global Economic Symposium (GES), das gemeinsam vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel (IfW), dem schleswig-holsteinischen Ministerium für Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr und der Deutschen Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften (ZBW) – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft mit Unterstützung der Hauptsponsoren Fielmann AG und Wintershall Holding AG veranstaltet wird, findet vom 9. bis 11. September in der Fielmann Akademie Schloss Plön statt. Insgesamt werden auf dem GES in über 20 Arbeitskreisen Lösungsvorschläge für drängende globale Probleme erarbeitet werden. Das Besondere am GES ist, dass die Beratungen ausdrücklich lösungsorientiert erfolgen: Die Teilnehmer überarbeiten in Teams bestehende Politik- und Unternehmensstrategien und entwerfen Antworten auf globale Herausforderungen. Bei ihrer Arbeit werden die Arbeitskreise des GES durch neueste Forschungsergebnisse unterstützt, die den Teilnehmern über virtuelle Bibliotheken und andere virtuelle Plattformen zugänglich gemacht werden. Die Diskussionen in den verschiedenen Arbeitskreisen können dank dieser Plattformen bereits vor dem eigentlichen Symposium intensiv geführt werden. Mit den GES-News werden Sie unter anderem vorab über interessante Diskussionsbeiträge in verschiedenen Arbeitskreisen informiert.
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Vorläufiges Programm GES 2009
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