Pressemitteilung des IfW vom 19. Mai 2009
Transatlantisches Freihandelsabkommen wäre von zweifelhaftem Wert
Die gegenwärtige globale Wirtschaftskrise bedeutet nicht nur eine Herausforderung für die internationale Finanzarchitektur, sondern auch für die multilaterale Handelsordnung. Während sich die Doha-Runde in einer Sackgasse befindet, machen sich wiederum regionale oder bilaterale Freihandelsabkommen breit. So beginnt die EU jetzt Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit Kanada. Da es bereits ein solches der EU mit Mexiko gibt, wären die USA das einzige Land der nordamerikanischen Freihandelszone NAFTA, mit dem die EU kein derartiges Abkommen unterhält. Diese Entwicklung könnte frühere Diskussionen darüber wieder aufleben lassen, ob nicht ein derartiges Abkommen – transatlantisches Freihandelsabkommen (TAFTA) genannt – sinnvoll wäre, beispielsweise, um viele bislang einseitig eingeführte Erleichterungen im transatlantischen Handel und Kapitalverkehr auf eine vertragliche Basis zu stellen.
In einem Beitrag, der demnächst in der Onlinezeitschrift Business & Politics der Universität Berkeley erscheinen wird, spricht sich Rolf J. Langhammer gegen ein TAFTA-Abkommen aus. Nach seiner Analyse sei es teilweise überflüssig, und dort, wo es Handelswirkungen entfalten könnte, würde es gegen den Handel mit den dynamischeren Partnern außerhalb der TAFTA diskriminieren. Damit könnte es sehr wohl Gegenmaßnahmen dieser Länder, vor allem aus Asien, provozieren. Zudem sei es sehr wahrscheinlich, dass sich Lobbygruppen für Ausnahmeregeln bei bestimmten Dienstleistungen, Agrarprodukten und Industriegütern einsetzen würden. Daher würde ein TAFTA-Abkommen nicht die Voraussetzungen für die Übereinstimmung mit den WTO-Regeln erfüllen, nämlich regionalen Freihandel für alle Güter und Dienstleistungen herzustellen. Schließlich könnte TAFTA die Bemühungen um eine multilaterale Handelsliberalisierung ernsthaft untergraben.
Fachlicher Ansprechpartner:
Prof. Dr. Rolf J. Langhammer
Tel. +49 (0)431-8814-203