Pressemitteilung des IfW vom 13. August 2009
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GES News Nr. 5, 13. August 2009
Strategien zur Beendigung der Finanzkrise: Ausgewogene Lösung ist gefragt
Seit klar geworden ist, dass die Krise auf den Finanzmärkten auf die Realwirtschaft übergreifen würde und sich zu einer globalen Wirtschaftskrise auswächst, haben die Regierungen vieler Industrie- und Schwellenländer eine Vielzahl von Maßnahmen ergriffen, um die Finanzmärkte zu stabilisieren. Vor allem durch Kapitalspritzen, Beteiligungen oder weitreichende Garantien für bedrohte „systemrelevante“ Banken wollen sie das verlorengegangene Vertrauen wiederherstellen. Inzwischen gibt es erste Anzeichen, dass sich die Lage an den Finanzmärkten beruhigen könnte, einzelne Banken vermelden wieder Gewinne. Selbst wenn diese Nachricht einstweilen nur eine Schwalbe sein mag, die noch keinen Sommer macht, so ist es doch an der Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, wie die Regierungen ihr Engagement für die Banken wieder zurückfahren können, wenn die Krise einmal überwunden ist. Es wird dann darauf ankommen, die richtige Balance zwischen freien Marktkräften und notwendiger Regulierung zu finden, um zu verhindern, dass sich eine derartige Krise wiederholt. Dieser Herausforderung wollen sich die Teilnehmer des Arbeitskreises „Exit Strategies from the Financial Crisis“ auf dem zweiten Global Economic Symposium (GES) stellen, das vom 9. bis 11. September 2009 in der Fielmann Akademie Schloss Plön in Schleswig-Holstein stattfinden wird.
Als sich die U.S.-Regierung im Oktober vorigen Jahres dazu entschloss, Anteile der ins Trudeln geratenen Finanzinstitute zu erwerben, entbrannte eine langwierige Debatte, wie diese Anteile bewertet und zu welchen Kursen diese aufgekauft werden sollten. Inzwischen wird diese Debatte erneut geführt, nun aber mit entgegengesetztem Vorzeichen – aktuell geht es um angemessene Verkaufskurse. Das Treasury hat bereits wieder Anteile verkauft, zunächst deutlich unter dem vermuteten Marktpreis. Bei den folgenden Transaktionen wurden deutlich höhere Preise verlangt, einerseits um den amerikanischen Steuerzahler zu beruhigen, andererseits um den betroffenen Banken zu signalisieren, in Zukunft umsichtiger und risikobewusster zu handeln. Die JP Morgan Bank kündigte in diesem Zusammenhang an, ihr wäre es am liebsten, wenn das Treasury ihre Anteile versteigern würde, damit ein angemessener Marktpreis gefunden würde.
Offenkundig ist es für Regierungen ein schwieriges Unterfangen, den richtigen Weg heraus aus dem Labyrinth von Staatsbeteiligungen, Garantien für mehr oder weniger systemrelevante Banken und Eingriffe in die unternehmerischen Belange der Banken zu finden. Jede staatliche Maßnahme wirkt sich nun einmal auf das Vertrauen und die gefühlten Risiken der Marktteilnehmer aus. Daher muss die Rückzugsstrategie ausgewogen und wohl durchdacht sein, um erneute größere Erschütterungen der Finanzmärkte zu vermeiden.
Nach derzeitigem wissenschaftlichen Erkenntnisstand könnte eine Lösung für dieses Problem darin bestehen, dass eine Regierung die erworbenen Anteile an den Finanzinstituten in eine Treuhandgesellschaft einbringt, die mit dem Auftrag ausgestattet wird, die Anteile innerhalb eines festgelegten Zeitraums bestmöglich zu verkaufen. Unter der Maßgabe eines Gewinnmaximierungsziels könnte die Treuhandgesellschaft dann dazu beitragen, die verbleibenden Lasten für den Steuerzahler zu verringern. Allerdings wäre mit dem Erzielen eines möglichst hohen Preises für die zuvor vom Staat übernommenen Anteile nur eines von mehreren Problemen im Zusammenhang mit einer wirksamen Rückzugsstrategie gelöst. Denn eine solche erfordert nach Ansicht der meisten Forscher auch, dass höhere Anforderungen an die Eigenkapitalausstattung der Banken gestellt werden müssen und zudem die Transparenz im Bankensektor nennenswert erhöht werden muss. Letzteres beinhaltet etwa, den Derivatehandel unter eine normale Börsenaufsicht zu stellen und durch Regulierungen sicherzustellen, dass die hinter gehandelten Papieren stehenden Aktiva besser nachvollziehbar sind – ein Umstand, der im Falle der U.S.-amerikanischen „Subprime“-Hypothekenpapiere nicht gegeben war und dessen Fehlen erst zur gegenwärtigen Krise geführt hat. Der Arbeitskreis „Exit Strategies from the Financial Crisis“ auf dem zweiten GES wird sich diesen und weiteren Fragen widmen, etwa wie man verhindern kann, dass Bankenpleiten existenzbedrohende Schockwellen auf die Realwirtschaft aussenden – zum Beispiel durch eine Entbündelung großer Banken in kleinere Einheiten oder durch eine internationale Versicherungslösung für Großbanken.
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Das zweite Global Economic Symposium (GES), das gemeinsam vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel (IfW), dem schleswig-holsteinischen Ministerium für Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr und der Deutschen Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften (ZBW) – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft mit Unterstützung der Hauptsponsoren Fielmann AG und Wintershall Holding AG veranstaltet wird, findet vom 9. bis 11. September in der Fielmann Akademie Schloss Plön statt. Insgesamt werden auf dem GES in über 20 Arbeitskreisen Lösungsvorschläge für drängende globale Probleme erarbeitet werden. Das Besondere am GES ist, dass die Beratungen ausdrücklich lösungsorientiert erfolgen: Die Teilnehmer überarbeiten in Teams bestehende Politik- und Unternehmensstrategien und entwerfen Antworten auf globale Herausforderungen. Bei ihrer Arbeit werden die Arbeitskreise des GES durch neueste Forschungsergebnisse unterstützt, die den Teilnehmern über virtuelle Bibliotheken und andere virtuelle Plattformen zugänglich gemacht werden. Die Diskussionen in den verschiedenen Arbeitskreisen können dank dieser Plattformen bereits vor dem eigentlichen Symposium intensiv geführt werden. Mit den GES-News werden Sie unter anderem vorab über interessante Diskussionsbeiträge in verschiedenen Arbeitskreisen informiert.
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Vorläufiges Programm GES 2009
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