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23.05.2013
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Pressemitteilung des IfW vom 27. März 2008

China – Zugang zum Kapitalmarkt beeinflusst Innovationsverhalten

Die Volksrepublik China ist seit Mitte der 90er Jahre zu einem bedeutenden For­schungs- und Innovationsstandort geworden. Zugleich zieht die chinesische Wirt­schaft mehr und mehr ausländische Direktinvestitionen an. Indes sind ausländische Direktinvestitionen per se kein Garant für mehr Innovationen durch chinesische Un­ternehmen. Hinzukommen müssen neben der Fähigkeit, erworbenes technisches Know-how durch unternehmenseigene Forschung und Entwicklung umzusetzen, ins­besondere ein erfolgreiches Überwinden von Hemmnissen am heimischen Kredit- und Kapitalmarkt. Die Innovationsintensität chinesischer Unternehmen hängt ent­scheidend davon ab, dass sie leichten Zugang zu inländischen Refinanzierungs­mög­lichkeiten haben. Es sind aber offenbar nur private oder genossenschaftliche chine­sische Unternehmen, die unter solchen Hemmnissen leiden, weniger die staatlichen. Zu diesem Ergebnis kommen Holger Görg vom Institut für Weltwirtschaft und seine beiden Koautoren Sourafel Girma und Yundan Gong von der Universität Nottingham in ihrer Analyse „Foreign direct investment, access to finance, and innovation activity in Chinese enterprises“, die jetzt als Kieler Arbeitspapier Nr. 1400 veröffentlicht wor­den ist und demnächst im World Bank Economic Review erscheinen wird.

Die empirische Analyse, die auf der Basis einer umfassenden Datenbank chinesi­scher Unternehmen für die Jahre 1999 bis 2005 durchgeführt worden ist, bestätigt die Hypothese, dass Restriktionen am Kredit- und Kapitalmarkt des Ziellandes aus­ländischer Direktinvestitionen die Fähigkeit der dortigen Unternehmen beeinträchti­gen, weitreichenden Nutzen aus dem Zufluss von ausländischem Kapital zu ziehen. Für China ist dieses Ergebnis insofern von besonderer Bedeutung, weil es hier noch zahlreiche weniger effizient arbeitende staatseigene Unternehmen gibt. So können die Autoren dank eigentumsbezogener Angaben in ihrer Unternehmensdatenbank zeigen, dass der allgemeine Zusammenhang „leichterer Zugang zum Bankensystem führt zu mehr Innovationen“ allein für private und genossenschaftlich organisierte Unternehmen nachweisbar ist, nicht dagegen für deren staatseigene Konkurrenten. Letztere können sich offenbar darauf verlassen, seitens des inländischen staatlich dominierten Finanzsystems bevorzugt behandelt zu werden, und haben daher weni­ger unter finanziellen Engpässen zu leiden als private oder genossenschaftliche Un­ternehmen.

Dieses Ergebnis wird noch dadurch unterstrichen, dass auch hinsichtlich der beiden Kanäle, über welche die Unternehmen Nutzen aus ausländischen Direktinvestitionen ziehen können – Technologietransfer und ein besseres Standing am Kapitalmarkt –, Unterschiede zwischen staatlichen und sonstigen Unternehmen in China bestehen. Während eigene Forschung und Entwicklungsanstrengungen der Staatsunterneh­men in Folge des Technologietransfers wie bei ihren Konkurrenten zu mehr innovati­vem Output führen, spielen Hemmnisse bei Refinanzierungsmöglichkeiten bei ihnen keine Rolle: Weder erleichtert der Zugang zu Bankkrediten die Ausnutzung neuer Technologien in Staatsunternehmen, noch bewirken ausländische Direktinvestitionen bei ihnen überhaupt eine Verbesserung der finanziellen Situation. Staatliche Unter­nehmen sind daher in China nach wie vor deutlich gegenüber ihren privaten und ge­nossenschaftlichen Konkurrenten hinsichtlich des Zugangs zum inländischen Kapi­talmarkt privilegiert. Da sie zugleich als weniger effizient gelten, können diese Privi­legien als eine Innovationsbremse gewertet werden.

Kieler Arbeitspapiere

Fachlicher Ansprechpartner:

Prof. Holger Görg, Ph.D.
Tel. (0431) 8814-258