Pressemitteilung des IfW vom 9. April 2008
Müssen wir uns vor Staatsfonds schützen?
In seiner Untersuchung zur Rolle ausländischer Staatsfonds, die jetzt in der Zeitschrift „Wirtschaftsdienst“ erschienen ist, kommt IfW-Forscher Henning Klodt zu dem Ergebnis, dass renditeorientierte Investitionen dieser Fonds auch in Deutschland willkommen sein sollten. Sofern aber Staatsfonds industriepolitische Ziele zum Nachteil der heimischen Wirtschaft verfolgten, sollten ausländische Unternehmensübernahmen abgewehrt werden können.
Staatliche Vermögensfonds suchen derzeit auf den internationalen Finanzmärkten nach Anlagemöglichkeiten für mehr als 3 Billionen US-Dollar, und die Fondsvolumina wachsen rasant. Die größten Staatsfonds kommen aus arabischen Ländern, Singapur und Norwegen, seit jüngstem aber auch aus China und Russland. Die „China Investment Corporation“ geht seit 2007 zudem verstärkt Auslandsengagements ein, die auf eine Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der chinesischen Wirtschaft zielen. Der russische „Stabilization Fund“ lässt hingegen bislang keine industriepolitisch motivierten Finanzmarktaktivitäten erkennen, sondern konzentriert sich nach wie vor auf risikoarme Kapital- und Devisenmarktinvestitionen.
Vor diesem Hintergrund betont Klodt, dass als oberste Maxime im Umgang mit ausländischen Staatsfonds auch weiterhin die Freiheit des Kapitalverkehrs gelten sollte. Daher wird angesichts der bevorstehenden Novellierung des Außenwirtschaftsgesetzes (AWG) von neuen Schutzzäunen für die heimische Wirtschaft abgeraten. Nur im begründeten Einzelfall sollte die Bundesregierung gemeinsam mit einem unabhängigen Kontrollgremium, wie der Monopolkommission, die Investitionen von Staatsfonds auf ihre Marktkonformität überprüfen. Die Anlageländer selbst könnten durch eine größere Transparenz bei den Zielen und Strukturen ihrer Staatsfonds einen Beitrag zur Vertrauensbildung leisten.
Fachlicher Ansprechpartner:
Prof. Dr. Henning Klodt
Tel. +49 (0)431-8814-250