Pressemitteilung des IfW vom 4. Mai 2007
AIECE-Vereinigung Europäischer Konjunkturinstitute
AIECE Arbeitsgruppe Rohstoffpreise:
Rohstoffpreise am Höhepunkt
Zusammenfassung des Berichts "World Commodity Prices 2006–2008" der AIECE-Arbeitsgruppe Rohstoffpreise. Der Bericht basiert auf der Analyse von 29 Rohstoffpreisen und -märkten.
Der Prognose liegt die Einschätzung einer weiterhin außerordentlich robusten Weltwirtschaft zugrunde. Im Durchschnitt der Jahre 2004–2006 hat sich die jährliche Wachstumsrate auf 5 Prozent belaufen, die stärkste Zunahme seit Beginn der 1970er Jahre, vor den ersten beiden Ölpreiskrisen. In den nächsten zwei Jahren wird die Wachstumsrate nur wenig sinken. Dieser Zuwachs ist erheblich stärker als das Wachstum von etwas weniger als 4 Prozent, das im langjährigen Durchschnitt erreicht wurde, und liegt auch deutlich über der bereits sehr hohen Rate von 4,5 Prozent, die während der 5-Jahres-Periode von 2002 bis 2006 verzeichnet wurde.
Das starke globale Wachstum hat die Nachfrage nach Energie- und Industrierohstoffen in einem nicht erwarteten Ausmaß erhöht. Zwar haben die hohen Rohstoffpreise auch eine Ausweitung des Angebots bewirkt, doch blieb dieser hinter dem Anstieg der Nachfrage zurück. Die Lagerbestände sind bei etlichen Industrierohstoffen inzwischen außergewöhnlich niedrig, was starke Preissteigerungen zur Folge hatte. Die niedrigen Lager haben auch die Volatilität der Rohstoffpreise wesentlich erhöht, wodurch Rohstoffe für Finanzinvestoren zunehmend attraktiv geworden sind.
Nach Einschätzung der AIECE-Rohstoffgruppe dürfte der außerordentlich starke Anstieg der Rohstoffpreise der Jahre 2003–2007 im Prognosezeitraum zu Ende gehen, die Preise werden aber voraussichtlich auf hohem Niveau bleiben. Der HWWA-Rohstoffpreisindex insgesamt, der von der Entwicklung des Ölpreises dominiert wird, erreichte seinen historischen Höchststand im dritten Quartal des vergangenen Jahres, wohingegen der Rohstoffpreisindex ohne Energie bis zuletzt gestiegen ist und die Spitze hier erst für das laufende Quartal erwartet wird.
Die Rohölpreise und die Preise einer Reihe von Industrierohstoffen wie Eisenerz und mehreren Nicht-Eisen-Metallen erreichten in den vergangenen historische Höchststände. Die Rekordpreise stellten sich bei den einzelnen Rohstoffen bedingt durch die spezifischen Marktverhältnisse zu unterschiedlichen Zeitpunkten ein. So hatten die Ölpreise ihren höchsten Stand im Juli 2006, während sich die Preise für Blei, Nickel, Zinn, Stahlschrott und Eisenerz gegenwärtig noch auf oder in der Nähe ihrer Höchststände befinden. Die gewaltigen Preissteigerungen der letzten Jahre werden vor allem mit Nachfrageschocks erklärt, die durch den unerwartet starken und anhaltenden Anstieg rohstoffintensiver Produktionen in den Entwicklungsländern im Allgemeinen und in China im Besonderen verursacht wurden. In vielen Fällen haben aber auch Produktionsunterbrechungen das Angebot verknappt und den Preisauftrieb verstärkt.
Der Preisanstieg war in allen Rohstoffgruppen erheblich. Besonders deutlich war er jedoch infolge des engen Zusammenhangs mit dem globalen Wirtschaftswachstum bei Energie und Metallen. Bei Mineralöl spielten auch geopolitische Faktoren eine wichtige Rolle. Für die meisten Rohstoffe erwartet die AIECE-Rohstoffgruppe nunmehr, dass die Preise ihren Höhepunkt inzwischen erreicht haben, da sich zum einen die Nachfrage allmählich abkühlt und zum anderen das Angebot durch die sehr hohen Preise zunehmend ausgeweitet wird, so dass sich die Marktsituation nach und nach entspannt. Auch wenn Preisrückgänge in einzelnen Fällen erheblich sein können, werden Rohstoffe in den kommenden zwei Jahren generell dennoch teuer bleiben, sofern es zu keinem starken Einbruch der Weltkonjunktur kommt.
Die Weltmarktpreise von Rohstoffen insgesamt, gemessen am HWWA-Index auf Dollarbasis, werden nach der Prognose in diesem und im nächsten Jahr um jeweils 1 Prozent zurückgehen, nach einem Anstieg um 21 Prozent im Jahr 2006. Die Rohstoffpreise ohne Energie werden im Durchschnitt des Jahres 2007 nochmals, um 12 Prozent, zulegen und 2008 um 3 Prozent sinken. Der Rohölpreis dürfte nach dem hohen Stand im April und Anfang Mai im weiteren Jahresverlauf wieder sinken. Es wird erwartet, dass der Ölpreis in diesem Jahr durchschnittlich um 6 Prozent unter dem Vorjahrsniveau liegt wird und im nächsten Jahr um 1 Prozent steigt.
Rohstoffpreisentwicklung 2005-2008
| Indices auf US$-Basis Werte 2000=100 und Änderung in % | 2005 | 2006 | 2007 | 2008 |
|---|---|---|---|---|
| Alle Rohstoffe | 173 28 | 209 21 | 208 -1 | 206 -1 |
| Insgesamt, ohne Energie | 140 10 | 178 27 | 200 12 | 190 -3 |
| Nahrungs- und Genussmittel | 126 0 | 139 11 | 162 17 | 162 0 |
| Industrierohstoffe | 147 14 | 195 33 | 216 11 | 207 -4 |
| Agrarische Rohstoffe | 115 1 | 129 12 | 152 18 | 156 2 |
| Nicht-Eisen-Metalle | 151 16 | 240 60 | 253 5 | 229 -10 |
| Eisenrohstoffe (=Eisenerz, Stahlschrott) | 230 38 | 267 16 | 306 14 | 299 -2 |
| Energierohstoffe* | 189 37 | 224 19 | 211 -6 | 212 0 |
| Rohol | 189 42 | 227 20 | 212 -6 | 214 1 |
| nachrichtlich: | ||||
| Indizes auf Euro Basis** (Änderung in %) | 2005 | 2006 | 2007 | 2008 |
| Alle Rohstoffe | 29 | 19 | -6 | -2 |
| Insgesamt, ohne Energie | 10 | 25 | 6 | -4 |
| Industrierohstoffe | 15 | 31 | 5 | -5 |
| Energierohstoffe* | 37 | 17 | -11 | -1 |
| *Kraftwerke und Rohöl **Bei einem angenommenen USD/EUR-Kurs von 1,33 für 2007 und 1,35 für 2008 | ||||
Real Prices of Raw Materials
HWWA index, 2000=100
Die AIECE ('Association d’Instituts Européens de Conjoncture Économique' bzw. ‘Association of European Conjuncture Institutes’) besteht aus 44 Instituten aus 21 Ländern. Die Arbeitsgruppe Rohstoffpreise (Working Group on Commodity Prices) erstellt zweimal im Jahr Rohstoffpreisprognosen. In der Gruppe sind zehn Mitgliedsinstitute vertreten:
BIPE Bureau d’Information et de Prévisions Économiques, Issy-les-Moulineaux
Coe-Rexecode Centre d'Observation Économique et de Recherches Pour l'Expansion de l'Économie et le Développement des Entreprises, Paris
ETLA Research Institute of the Finnish Economy, Helsinki
GKI Economic Research Co., Budapest
HWWI Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut, Hamburg
IfW Institut für Weltwirtschaft, Kiel
IKCHZ Foreign Trade Research Institute, Warschau
INSEE Institut National de la Statistique et des Études Économiques, Paris
Prometeia Prometeia S.p.A., Bologna
SKEP Chamber of Commerce and Industry of Slovenia, Ljubljana
Der Report «World Commodity Prices 2006 – 2008», erstellt von Paavo Suni, ETLA, Helsinki, stellt nicht die Meinung der AIECE dar und nicht notwendigerweise die Meinung der einzelnen Mitgliedsinstitute. Er entstand auf der Grundlage von Diskussionen und Rohstoffpreisprognosen der Institutsvertreter in der Gruppe. Für nähere Informationen wenden Sie sich bitte an . Zum Erwerb des Reports im PDF-Format von der Website der Gruppe wenden Sie sich bitte an das Sekretariat von ETLA, Mr. Paavo Suni, Commodity Group Chairman, E-Mail: paavo.suni@etla.fi.
Fachliche Ansprechpartner: